Neos arbeiten mit früherer ÖVP-Ministerin an Pflegekonzept

Neos-Parteichefin Beate Meinl-Reisinger
Neos-Parteichefin Beate Meinl-ReisingerAPA/GEORG HOCHMUTH

Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger holt Andrea Kdolsky als Pflegeexpertin an Bord. Letztere ortet eine "sexy Lösung" in Skandinavien und warnt: "Einsame Menschen sterben früher."

Die Neos widmen sich 2019 verstärkt dem Thema Pflege. Sie wollen bis Mitte des Jahres ein Gesamtkonzept entwickeln. Unterstützt werden sie dabei von der früheren ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky als Expertin. Das kündigte Parteichefin Beate Meinl-Reisinger am Montag anlässlich der Jahresauftaktklausur der Pinken an - und kritisierte dabei einmal mehr die Abschaffung der Pflegeregresses. Es sei "unverantwortlich", kurz vor der Wahl ohne Konzept ein Wahlzuckerl zu beschließen, meinte die 40-Jährige.

Gerade in der Pflege brauche es ein ganzheitliches Gesamtkonzept und ein solches wollen die Neos nun unter der Leitung von Kdolsky als Expertin ausarbeiten. "Ich anerkenne, dass die Regierung das Problem erkannt hat. Aber es ist so, dass wir seit zehn Jahren wissen, dass wir keine Lösung haben", so Meinl-Reisinger.

"Es muss ein größerer Wurf sein"

Zentrale Fragen sind nach Ansicht Meinl-Reisingers dabei "das selbstbestimmte Leben, Nachhaltigkeit und Generationenverantwortung". "Es muss ein größerer Wurf sein, nachhaltig auch für kommende Generationen." Pflege werde solidarisch finanziert werden müssen, "denn es wird schwierig werden, es jedem einzelnen zu überlassen", so Meinl-Reisinger. Gestartet wird der Prozess mit einem Bürgerforum im Februar, danach wird es Workshops geben. Bis Juni soll es ein Konzept stehen.

Kdolsky, die als Unternehmensberaterin im Gesundheitsbereich tätig ist, bezeichnete die Pflege als "große Herausforderung". "Es ist zehn nach zwölf. Es ist dringend notwendig klare Konzepte zu entwickeln." Dass in der türkis-blauen Regierung Gesundheits- und Sozialministerium zusammengelegt wurden, sei eine "Jahrzehntchance, eine gesamtheitliche Lösung zu machen". Dabei werde man unter anderem über neue Berufe nachdenken müssen. Denn im Sozial- und Gesundheitsbereich werde der Arbeitsmarkt in Zukunft wachsen, während er überall sonst schrumpfe.

Kdolsky: "Einsame Menschen sterben früher"

Qualifikation sei der zweite wichtige Punkt. Es dürfe in der Pflege kein Gefälle zwischen Ost und West, Tag und Nacht, Wochenende und Wochentag geben, wie das derzeit im Gesundheitswesen der Fall sei, so Kdolsky. Nicht zu vernachlässigen sei überdies die Prävention, so die frühere Ministerin. Österreich sei mit drei Prozent der Gesundheitsausgabe hier Schlusslicht. Andere Länder geben bis zu 20 Prozent für Prävention aus. "Die Sozialisierung ist ein weiteres wesentliches Thema. Einsame Menschen sterben früher. Demenz lässt sich durch Training verlangsamen", so Kdolsky. Meinl-Reisinger pflichtete ihr bei. Aus der Kommunalpolitik in Wien wisse sie, dass die Senioren-Treffs "aus der Zeit gefallen sind und man viel mehr daraus machen könnte". Die Finanzierungsfrage werde man es am Ende stellen bzw. errechnen, sagte Kdolsky.

Als "sexy Lösung" nannte Kdolsky ein Konzept aus Skandinavien, wo alte Menschen zusammen mit Studenten leben und so den Jungen Sozialkompetenz antrainiert werde. Denn "es gibt keine Großfamilien mehr. In Wien gibt es 60 Prozent Single-Haushalte."