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Muslimgebet in Córdobas Kathedrale: Jugendliche frei

Muslimgebet Crdobas Kathedrale Jugendliche
Mezquita Catedral in Cordoba(c) Wolfgang Lettko
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Mehrere österreichische Touristen stimmten das verbotene Gebet in der ehemaligen Moschee an. Die Muslimische Jugend Österreich entschuldigt sich: "Wir wollten keine religiösen Gefühle verletzen."

Wien/Córdoba (som). Eigentlich sollte es eine Kulturreise werden. Sie endete in einem mit Fäusten ausgetragenen Kulturkampf – und zwei kurzfristig Verhafteten.

Angehörige der Muslimischen Jugend Österreich (MJÖ) hatten am Mittwochabend in der Kathedrale von Córdoba, „La Mezquita“, ein Gebet verrichtet – trotz des ausdrücklichen Verbots für Muslime, in Europas einst größter Moschee zu beten. Als private Sicherheitskräfte die Jugendlichen auf die Übertretung aufmerksam machten, kam es zu einem Gerangel, in dessen Folge zwei MJÖ-Mitglieder verhaftet wurden. Die zwei Burschen wurden am Freitag freigelassen.

Die Bilanz: Anzeigen wegen Verletzung religiöser Gefühle und Erregung öffentlichen Ärgernisses. MJÖ-Sprecher Alexander Osman gegenüber der „Presse“ erleichtert: „Wir dürfen in die Heimat zurückkehren.“

Was sich nach dem Gebet tatsächlich ereignete, darüber gehen die Meinungen auseinander: Spanische Medien hatten berichtet, die Betenden hätten die Wachmänner bedroht – worauf diese die Polizei riefen. Bei dem Gerangel habe ein Bursche der Gegenseite mit einem Messer gedroht.

 

„Gebet dauert nicht mal vier Minuten“

Alles nicht richtig, so Osman. Das Security-Personal habe „überreagiert“. Auch die Polizei habe die Beschuldigten „an die Wand stellen lassen wie die ärgsten Schwerverbrecher“. Ja, zu Handgreiflichkeiten sei es gekommen, tatsächlich seien aber MJÖ-Mitglieder verletzt worden. Niemand sei bedroht worden. Der oben genannte Bursche „hatte nur ein Taschenmesser in der Hosentasche.“

Dass das Gebet stattgefunden hat, streitet Osman nicht ab. Einige der 120 Köpfe zählenden Gruppe seien beim Eintritt in die Kirche – „Wir haben Tickets gekauft und sind normal beim Haupteingang hinein“ – auf das Gebetsverbot für Muslime aufmerksam gemacht worden. Andere nicht.

Kurz vor dem Verlassen der Kirche habe eine Gruppe von 20–30 Leuten „spontan“ beschlossen, das muslimische Nachmittagsgebet zu absolvieren – und sich in Reihen aufgestellt. „Das dauert nicht einmal vier Minuten. Wir haben gehofft, dass wir fertig werden“, so Osman. Religiöse Gefühle wollte man nicht verletzen. Dass das Gebet der MJÖ-Gruppe eine konzertierte Aktion gewesen sei – in Berichten war von Walkie-Talkies die Rede, mithilfe derer sich die Gruppe koordiniert hätte –, weist der Sprecher zurück: „Unsere Walkie-Talkies waren ausgeschaltet. Wir hatten sie nur deshalb, weil wir in Spanien mit zwei Bussen unterwegs waren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2010)