Geheimpolizei wollte oppositionellen Parlamentspräsidenten verschleppen, brach die Entführung aber unter öffentlichem Druck ab.
Buenos Aires/Caracas. Als Juan Guaidó auf die Bühne trat, reckte er beide Unterarme in die Höhe und zeigte die Rötungen an den Handgelenken. Diese rührten vom Versuch her, den Präsidenten der venezolanischen Nationalversammlung am helllichten Tag auf einer Autobahn zu verschleppen. Autofahrer filmten, wie vier vermummte Männer den 35-jährigen Oppositionsführer aus seinem Geländewagen zerrten. Minuten später machte Guaidós Ehefrau das Verschwinden ihres Mannes publik.
Die Empörung im In- und Ausland mag ein Grund gewesen sein, warum die Geheimpolizei Sebin den seit weniger als zwei Wochen amtierenden Parlamentspräsidenten binnen einer Stunde wieder freiließ. Einen zweiten Grund gab der vormalige Studentenführer in seiner Ansprache bekannt. Er habe die Beamten auf seine parlamentarische Immunität hingewiesen und von der Möglichkeit einer Amnestie für Sicherheitskräfte gesprochen – nach jenem Regierungswechsel, den Guaidó vehement einfordert. „Ich frage mich“, sagte der Parlamentspräsident nach dem Hin und Her auf der Autobahn, „wer gibt heute die Befehle in diesem Regime?“