Die Finanzkrise hat auch in der Formel 1 ihren Niederschlag gefunden. Die zwölf Rennställe der Motorsport-Königsklasse kassieren von ihren Sponsoren heuer nur 515 Millionen Euro, um 85 Millionen weniger als 2009.
SEPANG (ag./mhk). In Malaysia feiert die Formel 1 diesmal das Osterfest. Im ersten Training für das Rennen am Sonntag (10Uhr/ORF1, RTL, Sky) entging der Tross mit etwas Glück dem täglichen Regenschauer. Der begann erst eine halbe Stunde nachdem der englische Exweltmeister Lewis Hamilton im McLaren vor den beiden Deutschen Sebastian Vettel (Red Bull) und Nico Rosberg (Mercedes) die Bestzeit auf den Asphalt geknallt hatte. Rosbergs Teamkollege Michael Schumacher wurde hinter Weltmeister und Vorjahressieger Jenson Button Vierter.
Während also in Sepang der Hitze von 33 Grad Celsius gepaart mit beinahe unerträglicher Luftfeuchtigkeit wie selbstverständlich der Regen folgte, muss der Formel-1-Zirkus schmerzlich auf andere Automatismen verzichten: Etwa jenem, dass die Königsklasse des Motorsports wie von selbst königliche Sponsorgelder kassiert und jenem, dass die Piloten Glamour wie Magnete anziehen.
Die Finanzkrise hat auch in der Formel 1 ihren Niederschlag gefunden, zahlreiche Sponsoren sind auf die Bremse gestiegen: Im Vergleich zur vergangenen Saison haben Werbepartner der Formel-1- Rennställe um 85 Millionen Euro weniger in diese Motorsportklasse investiert. In Summe kassierten die zwölf Teams laut Formula Money umgerechnet rund 515 Million Euro. Das ist der tiefste Stand seit fünf Jahren. Und das, obwohl im Vergleich zu 2009 heuer statt bislang zehn heuer zwölf Teams im Kreis fahren und die Newcomer etwa in den USA in bislang weniger Sponsorgewässern fischen konnten.
Finanzielle Schlaglöcher
Die Lücke, die der Ausstieg von Toyota und BMW hinterlassen hat, war jedenfalls nicht zu füllen. Weitere 90 Millionen Euro gingen der Formel 1 durch den Abschied von Panasonic und ING verloren. Die Bankgesellschaft hatte den Skandal rund um den von Renault-Pilot Nelson Piquet Junior in Singapur inszenierten Crash zum Anlass genommen, sich aus der Formel 1 zurückzuziehen. ING war bis dahin sogar Namenssponsor des Renault-Teams gewesen.
Weniger Sponsoring bedeutet gleichzeitig aber auch weniger Sideevents, weniger Party und weniger Celebritys in der Boxengasse.
Umgekehrt gibt es eine Bankgesellschaft, die heuer sogar mehr in die Formel 1 einzahlt als früher: Santander stockte das Sponsoring bei Ferrari auf rund 36 Millionen auf. Der malayische Mineralölkonzern Petronas, Titelsponsor des Grand Prix von Malaysia, erhöhte die Ausgaben bei McLaren auf 40 Millionen Euro.
Während sich Ferrari mit 35 Prozent das größte Stück vom Werbekuchen holt, hatten die Formel-1-Neulinge Lotus, Hispania Racing, Virgin und auch Sauber erhebliche Probleme, überhaupt ein ordentliches Budget zu erstellen. Peter Sauber musste ebenso privates Geld zuschießen wie Virgin-Magnat Sir Richard Branson. Hispania Racing behauptet von sich, nur 360.000 Euro aus Sponsorverträgen zu lukrieren. Und das Lotus-Team, das in Sepang Lokalmatador ist, kassiert 25 Millionen Euro von Malaysiens Regierung und Miteigentümer Tony Fernandes, dem Chef der Fluglinie AirAsia.
Ob der finanzielle Atem dieser Teams lang genug ist, wird sich weisen. Der Rennstall USF1, der ursprünglich schon heuer starten wollte, scheiterte gänzlich. Der Weltautomobilverband FIA verweigerte dem US-amerikanischen Rennstall aufgrund der mangelhaften Dotierung die Lizenz.
Bei Ferrari steigt Rauch auf
Noch einmal zurück zu Ferrari: Beim Grand Prix von Australien löste der italienische Rennstall eine Kontroverse aus. Denn obwohl die Europäische Union ein Werbeverbot für Tabak erlassen hat, ist Ferrari weiter mit Philip Morris International, dem Hersteller der Marlboro-Zigaretten, verbunden. Für den, hinter dem Cockpit am Auto aufgedruckten Barcode, der Philip Morris repräsentiert, sollen zwischen 73 und 95 Millionen Euro nach Maranello fließen, berichtet das Magazin „F1 Racing“.
AUF EINEN BLICK
■Grand Prix von Malaysia. Im ersten Training für das Rennen am Sonntag (10 Uhr/ORF1, RTL, Sky) war McLaren-Pilot Lewis Hamilton vor Sebastian Vettel (Red Bull) und Nico Rosberg (Mercedes)
am schnellsten. Michael Schumacher wurde hinter Jenson Button Fünfter. Das Qualifying wird heute um 10 Uhr gefahren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2010)