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Politik: Know-how für den Stimmengewinn

(c) Clemens Fabry
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Hochkarätige Weiterbildung für Politiker ist in Österreich recht dünn gesät. Warum das so ist - und wie man sich dennoch für die Fülle an Anforderungen qualifizieren kann.

Politik ist ein hartes Pflaster? Bei der Fülle an geforderten Fähigkeiten könnte man durchaus diesen Schluss ziehen. Denn der ideale Politiker sollte fachlich hoch kompetent sein, seine Themen und Visionen gekonnt vermitteln, komplexe Inhalte prägnant und eloquent formulieren und bei all dem auch glaubwürdig erscheinen. Und das im permanenten Licht der Öffentlichkeit. Bei dieser Bandbreite auf Aus- und Weiterbildung zu setzen, wäre nicht verwunderlich.

 

Keine Startpackages

Doch was in anderen Professionen zur Selbstverständlichkeit gehört, wird gerade in der Politik weitgehend vernachlässigt. Mangel besteht sowohl in der Ausbildung – so produziert das Studium der Politikwissenschaft bekanntlich eher Wissenschaftler und Journalisten als Politiker – als auch danach. „Es gibt zumindest in Österreich kaum Institutionen, die Weiterbildungen oder auch nur Startpackages für Politiker anbieten“, erläutert Politberater Thomas Hofer. Selbst die heimischen Parteiakademien kämen diesem Auftrag viel zu wenig nach. Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass es auch anders geht.

In den USA lässt sich beispielsweise an der Graduate School of Political Management in Washington ein Vollstudium in Sachen Politisches Management absolvieren. Zudem bieten in Amerika verschiedene parteinahe Thinktanks einschlägige Ausbildungen an. In Deutschland sind diesbezüglich die Bertelsmann-Stiftung und die Berliner Hertie School of Governance aktiv. Angehende SPD-Spitzenpolitiker werden seit 2007 in der parteieigenen „Führungsakademie der Sozialdemokratie“ zwei Jahre lang auf künftige Aufgaben vorbereitet. In der Schweiz gibt es an der Universität St. Gallen zumindest einen Zertifikatskurs. Vermittelt werden dabei Inhalte aus den Bereichen „Economics, Leadership und Communication“.

 

Sprachziel: Botschaften vermitteln

Bleibt weiterbildungswilligen heimischen Politikern demnach nichts anderes übrig als der Weg ins Ausland? Nicht unbedingt, weiß Thomas Hofer: „Was hierzulande durchaus möglich ist und auch geschieht, ist die Arbeit mit Coaches und Politikberatern, die in Policy-Bereichen zur Hand gehen.“

Gelehrt werden Methoden der Botschaftsvermittlung, des Wordings und des sogenannten politischen „Framings“ (in welchen Zusammenhang ein Vorschlag gestellt wird, wie er emotional aufgeladen wird...). Zu kurz kommen dabei allerdings andere Themenfelder wie Leadership, Organisationsmanagement oder interne Kommunikation in einer komplexen Organisation wie einer Partei. Gelernt will speziell bei Politikern auch das Sprechen selbst sein. „Politik braucht Sprache, die auf der Zunge zergeht“, meint dazu Tatjana Lackner, Gründerin der Schule des Sprechens. Schließlich sei es leider nicht so, dass jene, die viel reden, auch viel zu sagen hätten. „Fühlen wir den Politikern weltweit inhaltlich auf den Zahn, wird eines schnell offensichtlich: Selten finden wir brillante Redner, dafür häufig Schwadroneure“, so Lackner.

 

Problem: Phrasendreschmaschine

Das Hauptproblem liege darin, „dass Politiker oft jahrelang die eigenen Pappenheimer überzeugen müssen, um überhaupt weiterzukommen. Welke sprachliche Bilder, Stehsätze und Phrasendreschmaschine sind im Dauereinsatz“. Dabei sei Sprache lebendig, stetig im Wandel und Abbild der Kultur einer Gesellschaft. „Schon im Altertum gab es Rednerschulen. Die Kunst der Argumentation wurde trainiert und perfektioniert. Wir nehmen uns daher Aristoteles und Co. zum Vorbild“, sagt Lackner, die als Trainerin zahlreicher Politiker im In- und Ausland aus Erfahrung weiß, was am „Kommunizieren und Führen“ so schwierig ist. Ihre „sinnliche“ Empfehlung an die Volksvertreter: „Wer möchte, dass sein Publikum ihm gerne zuhört, sollte lernen, wie er die Menschen sehen, hören, riechen, schmecken und spüren lassen kann!“

 

Walten statt Weiterbilden

„Natürlich ist gerade die Politik eine Tätigkeit, die man hauptsächlich on the job lernt. Das heißt allerdings nicht, dass es da nichts zu tun gäbe“, resümiert Hofer. „Was Persönlichkeitsbildung und Kommunikationsfähigkeit angeht, gibt es dazu einige Angebote“, meint der Wiener Persönlichkeitstrainer und Coach Eric Adler, der das Problem mehr darin sieht, „dass die meisten Volksvertreter dieses Angebot ignorieren“. Die Ursache für die mangelnde Eigeninitiative glaubt Adler in der Natur des Quereinsteigerberufs Politik zu finden. Wer quasi nebenbei in die Politik rutsche und ohne entsprechende Ausbildung in verantwortungsvolle Positionen gekommen sei, dem fehle oft das Verständnis für Fortbildung. Lackner: „Sobald jemand ein Amt bekleidet und glaubt, mit seiner Ernennung auch die Expertise verliehen bekommen zu haben, vergisst er gerne, sich selbst weiterzubilden.“ Eine Beratungs- und Bildungsresistenz, der vielleicht mit Programmen für eine solide Grundausbildung beizukommen wäre. Politischer Wille vorausgesetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.04.2010)