VW und Ford verbünden sich für E-Mobilität

Die Chefs von Ford und VW, Jim Hackett und Herbert Diess, feilen an einer Allianz
Die Chefs von Ford und VW, Jim Hackett und Herbert Diess, feilen an einer AllianzREUTERS

Volkswagen und Ford wollen die Zukunft der Elektromobilität gemeinsam angehen, um gegen die aufstrebenden Techgiganten aus den USA und China zu bestehen.

Der größte europäische Autobauer und die Nummer zwei in den USA gaben auf der Detroiter Automesse am Dienstag eine globale Allianz bekannt, die sich zunächst auf die gemeinsame Entwicklung von Transportern und Pick-ups erstreckt, um kurzfristig Einsparungen zu erzielen. Später soll der Bund auf selbstfahrende Autos, Mobilitätsdienste und Elektroautos ausgeweitet werden. Dazu wurden Absichtserklärungen unterzeichnet. Eine Kapitalverflechtung der beiden Konzerne ist dagegen nicht geplant.

"Es ist kein Geheimnis, dass unsere Branche einen tiefgreifenden Wandel durchläuft", sagte VW-Chef Herbert Diess in einer gemeinsamen Telefonkonferenz mit Ford-Kollege Jim Hackett. Beide Manager verwiesen darauf, dass weltweit Milliarden investiert würden, um das Fahrzeugangebot umzustellen und Modellzyklen zu verkürzen. "Das kann man nicht alleine stemmen", betonte Hackett.

Reuters hatte bereits in der vergangenen Woche gemeldet, dass die Allianz der beiden Autobauer näher rückt. Für Experten ist der Trend eindeutig: Übernahmen oder Fusionen rücken in der Autobranche in den Hintergrund, wichtiger wird die Zusammenarbeit bei Zukunftsthemen - auch um Geld zu sparen. "Die Automobilhersteller stehen nicht mehr nur im Wettbewerb miteinander, sie stehen unter dem intensiven Druck von gut finanzierten Technologieunternehmen", erklärt Jessica Caldwell, Analystin bei Edmunds. "Kosteneinsparungen durch die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugarchitekturen und Produktionsanlagen sind nur eine Frage der Zeit in dieser neuen Welt."

 

Druck von allen Seiten

VW und Ford stecken in einer Zwickmühle: Während sich die Konjunktur abkühlt, wächst der Druck, schärfere Klimavorgaben zu erfüllen. Um die ehrgeizigen CO2-Ziele der EU zur Senkung des Schadstoffausstoßes einzuhalten, investiert Volkswagen massiv in die Elektromobilität. Rein batteriegetriebene Wagen werden aber nur massenweise gekauft, wenn sie günstiger zu haben sind als bisher. Das wird nach Überzeugung von Experten nur mit großen Stückzahlen zu erreichen sein, weil dadurch die Kosten je Fahrzeug sinken. Einen Teil dieser Größenvorteile kann Volkswagen realisieren, wenn Ford die von den Wolfsburgern entwickelte Elektroplattform MEB mitnutzt, auf der ab 2020 die Wagen der neuen ID-Familie stehen werden. Dazu wurden bisher aber keine konkreten Projekte bekannt.

Ford sitzen zudem die Investoren im Nacken, die auf Erfolge bei der angekündigten Restrukturierung dringen. Die Amerikaner hatten jüngst mitgeteilt, ihr defizitäres Europageschäft zu sanieren. Sie wollen Tausende Stellen streichen. Auch über Werkschließungen wird nachgedacht. Hacket sagte nun, Ford werde tun, "was immer nötig" sei, um das Europageschäft in die schwarzen Zahlen zurückzuführen.

Im Rahmen der Zusammenarbeit wird Ford für beide Unternehmen mittelgroße Pick-ups entwickeln und bauen, die ab 2022 auf den globalen Markt kommen sollen. Ab 2023 würden beide Konzerne von jährlichen operativen Ergebnisverbesserungen vor Steuern profitieren. Die Höhe dieser Einsparungen ließen VW und Ford offen. Darüber hinaus plane Ford für den europäischen Markt die Entwicklung und Produktion von größeren Transportern für beide Partner, während Volkswagen dann für beide Unternehmen einen City Van auf den Markt bringen werde. Hackett sagte, man werde sich Plattformen anfangs in Europa, Südamerika und Afrika teilen.

 

Autonomes Fahren im Blick

Investoren warten nun auf weitere Deals, die nach ihrer Ansicht größere Kostenvorteile ermöglichen. Dazu kündigten Hackett und Diess Vereinbarungen an. Die beiden Unternehmen haben bereits Erfahrungen in der Zusammenarbeit: Sie hatten in Südamerika ein Gemeinschaftsunternehmen in der Fahrzeugentwicklung und -montage namens "Autolatina", das 1995 aufgelöst wurde.

Die Kooperation bei Trucks und Vans soll nun den Weg bereiten, um auch auf den anderen Feldern voranzukommen. So prüft Volkswagen Insidern zufolge eine Investition in die Ford-Sparte für autonomes Fahren. Im Gespräch mit Reuters machte Diess klar, dass noch weitere Diskussionen nötig seien: "Das autonome Fahren wird noch relativ viel Aufwand bedeuten, auch zeitlichen Aufwand." Es sei aber sinnvoll, auch dort Ressourcen zu bündeln, da sich Mobilitätsdienstleistungen oder Roboter-Taxis vermutlich zuerst in den USA durchsetzen würden. Ford sei in den USA schon relativ weit mit seinen Aktivitäten. Unternehmenskreisen zufolge sucht Ford Investoren für seine Tochter Argo, die Systeme für Roboterautos entwickelt. Ford will den Rückstand zum Rivalen General Motors aufholen, dessen Marke Cruise computergesteuerte Wagen demnächst testet. Als führend auf dem Gebiet gilt die Google-Schwester Waymo, deren Fahrzeuge in den USA schon viele Testkilometer zurückgelegt haben.