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Mehr Lehrlinge, mehr Wirtschaftsbildung

Die gute Konjunktur sorgte im vergangenen Jahr dafür, dass die österreichischen Unternehmen wieder mehr Lehrlinge einstellten.
Die gute Konjunktur sorgte im vergangenen Jahr dafür, dass die österreichischen Unternehmen wieder mehr Lehrlinge einstellten.(c) Clemens Fabry

Im vergangenen Jahr sind um 4,7 Prozent mehr Lehrlinge eingestellt worden. Die Wirtschaftskammer will dem Fachkräftemangel begegnen, indem sie mehr in Bildung investiert und auf Entrepreneurship an Schulen setzt.

Wien. Die gute Konjunktur sorgte im vergangenen Jahr dafür, dass die österreichischen Unternehmen wieder mehr Lehrlinge einstellten. Laut Wirtschaftskammer (WKO) nahm die Zahl der Lehranfänger 2018 um 4,7 Prozent zu. Österreichweit begannen 31.099 Mädchen und Burschen eine Lehre. Gleichzeitig sank die Zahl der Anmeldungen in den überbetrieblichen Lehrwerkstätten. Auch das ist eine gute Nachricht. Denn offenbar ist es nicht mehr notwendig, so viele „künstliche“ Lehrstellen anzubieten. Die Lehrwerkstätten verzeichneten um 18,1 Prozent weniger Zulauf. Statt 4031 fingen im Vorjahr nur noch 3303 junge Menschen dort eine Lehre an.

In der Wirtschaftskammer spricht man bereits von einer Trendumkehr. Jahrelang war die Zahl der Lehrlinge rückläufig, seit 2017 steigt sie wieder leicht. Im Vorjahr begannen 40 Prozent der 15-Jährigen eine Lehre. WKO-Lehrlingsexperte Alfred Freundlinger betont, dass viele Unternehmen gerne noch mehr Lehrlinge aufnehmen möchten. Der Bedarf sei vielerorts höher als das Angebot an jungen Mitarbeitern. Vor allem in ländlichen Regionen. In den großen Lebensmittelketten blieben jedes Jahr Hunderte Lehrstellen unbesetzt. Insgesamt machen 108.000 junge Menschen in Österreich eine Lehre.

 

Entrepreneurship in der Schule

Dem akuten Fachkräftemangel begegnet die Wirtschaftskammer nun mit einer großen Bildungsoffensive. Die Unternehmensvertretung will die eigenen Bildungsausgaben bis 2030 von derzeit 380 auf 500 Millionen Euro erhöhen. Schon jetzt ist die Wirtschaftskammer der größte Bildungsanbieter nach der öffentlichen Hand. 950.000 Menschen genießen etwa im Wirtschaftsförderinstitut Wifi, an Baumeister- oder Fachhochschulen das breite Bildungsangebot der WKO. Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer will dieses Angebot nun um eine virtuelle Lernplattform sowie um mehrere „Campus der Wirtschaft“-Standorte erweitern.

An drei Campus-Standorten soll spätestens ab 2025 vor allem der Umgang mit digitalen Technologien gelehrt werden. Noch offen ist, ob diese Standorte völlig neu errichtet oder ob bestehende Einrichtungen ausgebaut werden. Dabei soll etwa mit dem Bund kooperiert werden. Als Beispiel nannte Mahrer den Bau einer neuen HTL für Digitalisierung durch das Bildungsministerium, die die Kammer am gleichen Ort mit einer Einrichtung für Lehrlinge und einer weiteren für die Weiterbildung von Mitarbeitern ergänzen würde.

Außerdem will die Kammer eine virtuelle Lernplattform aufbauen. „Ein Netflix der digitalen Bildung“ nennt es Harald Mahrer. Für Schüler, Lehrlinge, aber auch für Mitarbeiter von Betrieben sollen auf dieser Plattform E-Books, Learning Rooms oder MOOCs (Massive Open Online Courses) zur Verfügung stehen.

Aber auch bei der Lehre soll das Angebot erweitert werden. Wie das gehen soll, exerziert bereits die Wirtschaftskammer Oberösterreich vor. Dort bietet die Duale Akademie eine Lehre für Erwachsene. Gerade in Oberösterreich ist der Fachkräftemangel eklatant. Gleichzeitig gibt es aber viele Menschen, die nach der Matura nicht so recht weiterwissen oder im Studium straucheln. Sie können in der Dualen Akademie eine Lehre absolvieren. Das erfolgreiche Modell soll nun österreichweit ausgerollt werden.

Nicht zuletzt geht es Mahrer darum, das Wirtschaftswissen in der Schule zu verbessern. Entrepreneurship-Education, also die Vermittlung eines unternehmerischen Rüstzeugs, steckt vielerorts noch in den Kinderschuhen. Neue Programme wie etwa Entrepreneurship-Projektwochen sollen jungen Menschen zeigen, dass es auch eine Zukunftsvision sein kann, einmal selbst ein Unternehmen zu gründen. (APA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2019)