Plagiat bei Glyphosat-Studie

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Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung hat einen Großteil seiner Bewertung von Monsanto übernommen.

Straßburg. Im Europaparlament wächst die Kritik an der Rolle des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bei der Neuzulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Mehrere Abgeordnete warfen der Behörde am Dienstag vor, sie habe in ihrem EU-Glyphosat-Bericht wesentliche Bewertungen vom Hersteller wörtlich übernommen.

Die Parlamentarier stützten sich dabei auf eine Untersuchung des Wiener Plagiatsforschers Stefan Weber und des Wiener Global-2000-Biochemikers Helmut Burtscher-Schaden. Das in Berlin ansässige BfR habe demnach ganze Passagen aus einem Antrag des Herstellers Monsanto (Bayer) für die Neuzulassung von Glyphosat „wortwörtlich abgeschrieben“ und als eigene Feststellung ausgegeben, erläuterte Weber vor Journalisten in Straßburg.

Die Auswertung liegt der „Presse“ vor. Demnach wurde etwa das zentrale Kapitel, in dem es um gesundheitliche Risiken des Unkrautvernichtungsmittels ging, zu 50,1 Prozent abgeschrieben. Außerdem wurden 22,7 Prozent des Textes aus Studien kopiert, die allerdings nicht ausdrücklich als Plagiat identifiziert wurden. Das bedeutet, dass lediglich 27,2 Prozent des Textes von Experten des Instituts selbst verfasst worden sind. Der grüne Europaabgeordnete Thomas Waitz kritisiert: „Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung schreibt schlicht bei Monsanto ab, die Plagiate sind völlig inakzeptabel.“ Waitz tritt für strengere Regeln bei der Zulassung von Pestiziden in der Landwirtschaft ein.

Der Einsatz von Glyphosat ist in der EU umstritten: Während die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) das Herbizid als „wahrscheinlich“ krebserregend einstuften, kamen das BfR und die EU-Lebensmittelagentur EFSA zu einem anderen Schluss. Das waren Grundlagen für die weitere, eingeschränkte Zulassung des Mittels. „Falls es überhaupt noch einen Beweis für die Fehler im europäischen Zulassungsverfahren von Pestiziden gebraucht hat, dann haben wir ihn heute erhalten“, kommentiert SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach das Plagiat. (APA/wb)