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Körperschaftsteuer: Hoher Satz, geringer Ertrag

Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer.
Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer.(c) APA/GEORG HOCHMUTH
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Laut einer Studie der OECD liegt in Österreich der Steuersatz bei Firmensteuern im oberen Mittelfeld. Der steuerliche Ertrag daraus ergibt dennoch nur einen Platz im hinteren Bereich aller verglichenen Staaten.

Wien. Bei der Körperschaftsteuer müsse künftig „ein Einser vorn stehen“. Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer ist unlängst öffentlich an die Regierung herangetreten mit der Forderung, die Unternehmenssteuern im Rahmen der Steuerreform substanziell zu senken. Bislang wurde er damit noch nicht erhört. Nach der Regierungsklausur vergangene Woche hieß es lediglich, dass es Maßnahmen zur „Attraktivierung des Wirtschaftsstandortes“ geben werde. Die Details dazu sollen nun bis zum Herbst ausgearbeitet werden.

In diesem Zusammenhang ist eine Studie der OECD, die am Dienstag veröffentlicht wurde, nun besonders interessant. Die Industrieländer-Organisation vergleicht darin die Unternehmensbesteuerung weltweit. Neben OECD-Ländern sind darin auch Länder in Südamerika, Afrika und Asien enthalten.

 

Effektive Steuerrate geringer

Der Vergleich zeigt, dass sich Österreich bei der Firmenbesteuerung mit Platz 29 von 74 Ländern derzeit im oberen Mittelfeld befindet. Zwar liegt die effektive Steuerrate – etwa aufgrund von beschleunigten Abschreibungen – mit etwas mehr als 23 Prozent merkbar unter dem nominellen Satz von 25 Prozent. Diesen Effekt gibt es aber in allen untersuchten Ländern. Und er fällt vielfach auch noch wesentlich stärker aus, wie die Beispiele USA mit einem Minus von 4,8 Prozent beziehungsweise Belgien mit einem Minus von 3,6 Prozent gegenüber dem nominellen Steuersatz zeigen. Vergleicht man die nominellen Sätze, liegt Österreich sowohl über dem Schnitt aller OECD-Länder, der bei 23,7 Prozent liegt, als auch über dem Durchschnitt über alle untersuchten Länder, der sich bei 21 Prozent einpendelt. Letzterer wird laut OECD allerdings stark von jenen sieben Ländern beeinflusst, die den Satz für Unternehmenssteuern auf Null reduziert haben.

Setzt man nun den Ertrag aus der Körperschaftsteuer damit in Verbindung, zeigt sich jedoch, dass Österreich hier nur unterdurchschnittliche Erträge erzielt. So liegt der Anteil aus Unternehmenssteuern im Verhältnis zum BIP hierzulande nur leicht über zwei Prozent und damit unter dem OECD-Schnitt, der knapp drei Prozent beträgt. Von 88 in diesem Punkt untersuchten Ländern bedeutet das Rang 61. Noch drastischer ist die Situation beim Anteil der Firmensteuern am gesamten Steueraufkommen. Hier liegen lediglich 14 von in Summe 88 Ländern unter den sechs Prozent von Österreich, während der OECD-Schnitt neun Prozent beträgt.

 

Bringt hoher Satz mehr Steuer?

Im Einzelvergleich mit anderen Ländern zeigt sich, dass beispielsweise Deutschland mit einem Körperschaftsteuersatz von gut 27,5 Prozent noch höher als Österreich versteuert, bei den Erträgen aber schlechter liegt. Ungarn, mit einem nominellen Satz von gerade einmal zehn Prozent hingegen im Spitzenfeld bei den niedrigen Steuersätzen, kommt auf fast den gleichen Anteil am BIP wie Österreich und liegt beim Anteil am gesamten Steueraufkommen sogar um rund einen Prozentpunkt vorn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2019)