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In 40 Jahren möglich: 100 Prozent Ökostrom

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(c) Bilderbox
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Wie Europa den Abschied von fossilen Energie schaffen könnte, hat nun eine Studie eruiert.

Der derzeitige Strommix Europas ist alles andere als „nachhaltig“: Rund 55 Prozent der Elektrizität stammen aus fossilen Energieträgern, 30 Prozent aus der Atomenergie, der Rest verteilt sich auf erneuerbare Energieträger (Wasser-, gefolgt von Windkraft). Österreich ist mit einem Anteil an erneuerbaren Energien von rund 58 Prozent nur scheinbar in einer günstigeren Lage – denn der Anteil sinkt seit Jahren.

Es geht auch anders: Eine groß angelegte Studie, an der das IIASA in Laxenburg federführend beteiligt war, ist nun zu dem Ergebnis gekommen, dass die Stromversorgung im Jahr 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen kommen könnten. Ein Schlüssel dafür ist es, Europa und Nordafrika als Einheit zu betrachten und sukzessive zu einem einheitlichen Energiemarkt zu verschmelzen. Dann können nämlich die Stärken aller Regionen in Europa und rund um das Mittelmeer genutzt werden: Wasserkraft in Skandinavien, in den Alpen und am Balkan, Windenergie von der Nord- und Ostsee, Solarenergie aus Südeuropa und Nordafrika, Wellenenergie aus allen umliegenden Meeren und Biomasse quer durch ganz Europa. Um diese Quellen im vollen Ausmaß nutzen zu können, muss die Infrastruktur stark aus- und umgebaut werden: In Europa muss erstens ein intelligentes Stromnetz („Smart Grid“) entstehen, das die dezentrale Stromeinspeisung ermöglicht und für einen Ausgleich der Schwankungen sorgt; und zweitens müssen zwischen Afrika und Europa Starkstromleitungen gebaut werden, um die Energie aus solarthermischen Kraftwerken in Richtung Norden zu leiten – aus Afrika könnten bis zu 20 Prozent der Elektrizität kommen.

So weit die Theorie. Aber wie kann man dieses Ziel erreichen? In der Studie wurden die vier relevanten Bereiche Politik, Märkte, Investitionen und Infrastruktur sowie deren wechselseitige Verknüpfungen systematisch untersucht. Das Ergebnis ist eine detaillierte „Roadmap“, die alle notwendigen Schritte bis zum Jahr 2050 auflistet. Bis 2015 sollen demnach der Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie ein Smart Grid in Europa forciert werden. Ab 2020 sollten alle Subventionen für fossile Energieträger auslaufen. Ab 2030 müsse mit dem Abbau von fossilen Kraftwerken begonnen werden, die spätestens 2040 durch Großkraftwerke auf Basis erneuerbarer Energien ersetzt werden. Die Kosten dürften nicht das große Problem sein: Wasserkraft ist schon jetzt nicht teurer als Kohle oder Kernenergie, Windenergie an guten Standorten kaum teurer als Strom aus Gaskraftwerken. Und solarthermische Kraftwerke könnten laut der Studie die billigste Energietechnologie für Europa werden.

Und wie realistisch ist das alles? „Die Kombination aus erhöhter Nachfrage nach Strom und nach Versorgungssicherheit ist ein sehr starker Treiber von grundlegenden Änderungen im Energiesektor“, sagt Antony Patt, Experte am IIASA.

www.pwc.co.uk/pdf/100percentrenewableelectricity.pdf

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2010)