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Eine Viertel Milliarde Euro Schäden durch Schnee erwartet

STEIERMARK: LAWINENABGANG RAMSAU: AUFRAeUMARBEITEN
Aufräumarbeiten nach dem Lawinenabgang in der Ramsau am Mittwoch, 16. Jänner 2019.APA/EXPA/ DOMINIK ANGERER

Der große Schneefall ist vorbei, trotzdem warnen Experten vor allem Wintersportler weiterhin vor großer Lawinengefahr. Die Versicherungen erwarten hohe Schäden durch die Schneemassen.

Die Versicherungen erwarten hohe Schäden durch die Schneemassen. Man könne es mit dem Jahr 2006 vergleichen, "wo die österreichische Versicherungswirtschaft bei einem ähnlichen Schneedesaster rund 260 Millionen Euro an Zahlungen für Schneedruck und Schäden aus dem Schneedruck leistete", sagte der Präsident des Versicherungsverbandes und Uniqa-Österreich-Chef Kurt Svoboda im Ö1-Mittagsjournal.

Die ersten Schadensbegutachtungen werden in den nächsten Tagen stattfinden. Das gesamte Ausmaß der Schäden wird aber erst Ende März abschätzbar sein. Die Haushaltsversicherung deckt laut Versicherungsverband alles ab, was im Haus passiert. Für Schäden am Haus beziehungsweise rund ums Haus ist die Gebäudesturmschadenversicherung zuständig.

Wer von Schneeschäden betroffen sei, sollte diese mit Fotos genau dokumentieren und sich bei seiner Versicherung melden, sagte Svoboda. Die Versicherer warnen eindringlich davor, sich selber in Gefahr zu bringen und zum Beispiel auf Dächern herumzuklettern um weitere Schäden abzuwenden. "Der Anreiz hier selbst etwas zu tun ist sicherlich hoch, nur das Abstürzen beziehungsweise die Folgen können katastrophal sein und dafür gibt es Versicherungen die das decken", betonte der Versicherungsverbands-Chef.

Lawinengefahr weiter groß

Eine langsame Beruhigung der Schneelage in den Bergen hat sich am Mittwoch abgezeichnet. Verbreitet herrschte in sechs Bundesländern aber weiterhin Lawinenwarnstufe 4 der fünfteiligen Skala. Zahlreiche Straßen konnten nach Abklingen der Schneefälle wieder freigegeben werden. Zahlreiche freiwillige Helfer standen bei der Schneeräumung im Einsatz. Das Bundesheer half mittlerweile mit 1.700 Soldaten.

Situation in den Bundesländern

In der Steiermark war die Lawinengefahr weiterhin "groß" (Stufe 4), im Randgebirge "erheblich" (Stufe 3). Eine deutliche Entspannung wurde von den Meteorologen ab Donnerstag prognostiziert. Indessen gingen in der Obersteiermark die Aufräumarbeiten weiter. In der Ramsau waren insgesamt rund 140 Soldaten und Soldatinnen im Einsatz. In Eisenerz und Johnsbach wurde der Assistenzeinsatz beendet, Evakuierungen wurden aufgehoben und Straßen freigegeben. Dafür mussten in Hohentauern im Bezirk Murtal zwei Gebäude wegen Lawinengefahr evakuiert werden. Die Gesäusestraße zwischen Hieflau und Admont wird wohl noch für weitere vier Wochen gesperrt bleiben.

Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) plädierte dafür, dass beim Betreten von Sperrgebieten die bestehenden Strafrahmen ausgeschöpft werden sollten. Er meinte aber, dass Dummheit auch nicht durch höhere Strafen auslöschbar sei: "Auch ich ärgere mich, wenn es so etwas gibt, insbesondere, weil auch die Bergretter selber in Gefahr gebracht werden." Sein Stellvertreter und Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) trat im Zusammenhang mit der Dienstfreistellung für freiwillige Feuerwehrleute für die Einführung eines Anreiz- und Bonussystems ein: "Unsere Ehrenamtlichen investieren Hunderte Stunden ihrer Freizeit bei Ausbildungen und Übungen, es geht nicht, dass sie für Einsätze dieser Art Urlaub nehmen müssen." Eine Dienstfreistellung bis zu fünf Tage sollte auf freiwilliger Basis erfolgen, eine Vergütung für den Arbeitgeber aus dem Katastrophenfonds könnte dies fördern, so Schickhofer.

Mit der Wetterbesserung entspannte sich die Lawinen- und Verkehrssituation auch in Salzburg. Es herrschte verbreitet "erhebliche", in den Nordalpen teils noch "große" Lawinengefahr. Die meisten Straßensperren wurden mittlerweile aufgehoben. Damit waren wieder alle Orte im Land mit Fahrzeugen erreichbar. Allerdings sollte die Tauernautobahn zwischen dem Reittunnel und dem Tauerntunnel im Pongau wegen "Downwash"-Hubschraubereinsätzen voraussichtlich zwischen 15.00 und 16.00 Uhr in beiden Richtungen gesperrt werden.

Das Kleine Deutsche Eck wurde am Vormittag für den Verkehr freigegeben, die Pinzgauer Gemeinden Unken, Lofer und St. Martin waren wieder erreichbar. Die B311 zwischen Saalfelden und St. Martin sowie die B99 über den Radstädter Tauern wurden ebenfalls geöffnet. Damit war auch das Skigebiet Obertauern von der Außenwelt nicht mehr abgeschnitten. Allerdings blieben noch 13 Bundes- und Landesstraßen gesperrt, darunter die B159 zwischen Pass Lueg und Tenneck, die B164 im Bereich Filzensattel, die Felbertauernstraße und die Gaisbergstraße ab dem Hotel Kobenzl.

Auch die Stromversorgung im Land war nahezu zur Gänze wieder hergestellt. Die starken Schneefälle hatten zu Rekorden in der Landesgeschichte geführt: 26 Gemeinden waren laut Landes-Medienzentrum auf dem Straßenweg nicht erreichbar, am Höhepunkt waren 17 Orte gleichzeitig "eingeschneit". Mit 53.800 Personen hatte ein Zehntel der Salzburger Bevölkerung keinen Verkehrsanschluss. 29 hochrangige Straßen wurden wegen Lawinengefahr gesperrt, 2.800 Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Den Höchststand an Neuschnee im Tal seit Beginn der Aufzeichnungen verzeichneten zwischen 1. und 15. Jänner Abtenau mit 240 Zentimetern (seit 1964) und Lofer mit 263 Zentimetern (seit 1971).

In Tirol wurden ebenfalls wichtige Verkehrswege wieder geöffnet. Die gesamte Fernpassstrecke sollte ab 15.00 Uhr wieder für den Verkehr freigegeben werden, teilte das Land mit. Die Pitztal- und die Ötztal-Straße sowie die Venter Straße waren wieder frei, auch St. Anton am Arlberg war auf dem Straßenweg wieder erreichbar. Indes sollten am Mittwoch noch einige Flüge mit dem Landeshubschrauber, drei Bundesheer-Helikoptern und mehreren privaten Hubschraubern erfolgen. Trotz der langsamen Entspannung herrschte weiterhin verbreitet "große" Lawinengefahr, also Stufe 4. Diese gelte vor allem oberhalb der Waldgrenze, teilte der Lawinenwarndienst mit. In den Hauptniederschlagsgebieten und an steilen Ost-, Süd- und Westhängen seien mit der tageszeitlichen Erwärmung weiterhin große und vereinzelt sehr große Lawinen zu erwarten. Für Wintersport abseits gesicherter Pisten seien die Verhältnisse sehr gefährlich, hieß es.

In Vorarlberg ging die Lawinengefahr zwar etwas zurück, sie war oberhalb von 2.200 Metern aber auch am Mittwoch weiterhin "groß" (Stufe 4). Nach der Freigabe der Bregenzerwaldstraße (L200) am Mittwochvormittag waren wieder alle Vorarlberger Ortschaften auf dem Straßenweg erreichbar, die Arlbergbahnstrecke zwischen Bludenz und Landeck blieb aber weiterhin gesperrt. In Lech wurde die Suche nach dem vermissten Tourengeher fortgesetzt, der am Samstag von einer Lawine verschüttet worden sein dürfte. Die Suche war tags zuvor ergebnislos abgebrochen worden.

In Niederösterreich wurde die Lawinengefahr in den Hochlagen der Ybbstaler Alpen weiterhin als "groß" beurteilt. Stufe 4 auf der fünfteiligen Skala galt oberhalb der Waldgrenze, darunter und in den übrigen Regionen Niederösterreichs wurde das Risiko als "erheblich" (Stufe 3) eingeschätzt. "Die Lawinengefahr nimmt deutlich ab", hieß es zur Tendenz. Für Donnerstag wurde ein Absinken auf Stufe 3 erwartet. Die Hochkar Alpenstraße im Bezirk Scheibbs war am Mittwoch wieder für Einsatzkräfte befahrbar. "Die Räumungsarbeiten haben bis 3.00 Uhr in der Früh gedauert", sagte Göstlings Bürgermeister Friedrich Fahrnberger (ÖVP). Am Vormittag wurden 150 Feuerwehrleute auf den Berg transportiert. Die Wetterlage verbesserte sich indessen. "Der Wind hat nachgelassen, es ist wolkenlos und schön", gab der Bürgermeister in Sachen Schneefall Entwarnung. Am Hochkar selbst waren umfangreiche Räumungsarbeiten im Gange. Die Alpenstraße blieb für den öffentlichen Verkehr weiterhin gesperrt.

In Oberösterreich entschärfte sich die Lage ebenfalls etwas. Die Lawinengefahr ging großteils zurück, war aber noch "erheblich" (Stufe 3). Das Bundesheer beendete etliche seiner Assistenzeinsätze, war allerdings noch in Gosau (Bezirk Gmunden) dabei, Schnee von Dächern zu schaufeln. Das Landesfeuerwehrkommando wollte am Donnerstag wieder mit 100 Mann, zwei Katastrophenzügen aus dem Bezirk Vöcklabruck, helfen. Die Arbeiten seien personell nicht mehr so aufwendig, verlangten aber Spezialgeräte, hieß es zur APA. Die großen Pässe im Süden des Landes - Pyhrnpass, Hengstpass, Koppenpass - waren weiterhin gesperrt, Obertraun war auf der Straße nicht erreichbar, Gosau nur von Salzburg aus.

 

(APA)