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Ostermesse: Kirchenkritik "unbedeutendes Geschwätz"

Ostermesse Kirchenkritik unbedeutendes Geschwaetz
(c) AP (Gregorio Borgia)
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Der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, stellte sich zu Beginn der Ostermesse hinter den Papst: "Das Volk Gottes wird sich nicht von dem unbedeutenden Geschwätz dieser Tage beeinflussen lassen".

Papst Benedikt XVI. hat am Sonntag in seiner Osterbotschaft in Rom zu Frieden und Eintracht in einer von Gewalt, Diskriminierung und Terror geprägten Welt aufgerufen. Die ganze Menschheit müsse die sich ausbreitende "Kultur des Todes" überwinden, um eine Zukunft der Liebe und Wahrheit aufzubauen, in der jedes menschliche Leben geachtet und aufgenommen werde, verlangte Benedikt.

Auf dem festlich geschmückten Petersplatz forderte er vor Zehntausenden von Gläubigen die Menschen so zu einer geistigen und moralischen Umkehr auf. Auf den Skandal um sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen mehrerer Länder ging Benedikt dabei nicht ein.

"Die ganze Kirche ist mit Ihnen"

Zuvor hatte sich der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, in einem vom Protokoll abweichenden Schritt nachdrücklich hinter den Papst gestellt, der wegen des Skandals mehrfach persönlich angegriffen worden ist. "Heiliger Vater, das Volk Gottes ist mit dir und wird sich nicht von dem unbedeutenden Geschwätz dieser Tage beeinflussen lassen", unterstützte der Kardinal das 82-jährige Kirchenoberhaupt. Benedikt XVI. sei "der makellose Fels der heiligen Kirche Christi", zitiert "domradio.de".

Der 82jährige Kardinal sagte weiter: "Wir danken Ihnen zutiefst für die Geistesstärke und den apostolischen Mut, mit dem Sie das Evangelium Christi verkünden." Niemals zuvor war eine Ostermesse auf dem Petersplatz mit einer solchen Botschaft an den Papst eröffnet worden.

Die "Geschwätz"-Passage in Sodanos Ansprache rief umgehend neue Kritik hervor. "Wenn wir berichten, wie der Missbrauch durch Priester unsere kindliche Unschuld erschüttert hat, dann ist das kein 'unbedeutendes Geschwätz'", erklärte die Präsidentin des Netzwerks SNAP, Barbara Blaine, in dem sich Opfer von sexuellem Missbrauch durch Priester zusammengeschlossen haben.

Trübes Wetter in Rom

Zu der traditionellen Ansprache und dem anschließenden Segen "Urbi et orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis) waren trotz des strömenden Regens mehrere zehntausend Menschen auf den Petersplatz gekommen. Vor dem Segen formulierte Benedikt XVI. Ostergrüße in 65 Sprachen. Auf Deutsch sagte der Papst: "Euch allen ein gesegnetes und frohes Osterfest! Der Friede und die Freude des auferstandenen Herrn sei mit Euch."

Die Menschheit brauche das Heil des Evangeliums, "um aus einer Krise herauszukommen, die tief ist und als solche tiefe Veränderungen verlangt", sagte Benedikt in seiner Osterbotschaft nach der Messe. Er beklagte nachdrücklich die Gewalt und die Spannungen im Heiligen Land und in mehreren afrikanischen Ländern, die weiter zerstört würden und leiden müssten. Den von Terrorismus und sozialen oder religiösen Diskriminierungen betroffenen Ländern wünschte der Papst die Kraft, "Wege des Dialogs und des friedvollen Zusammenlebens einzuschlagen."

Wahrheit, Gerechtigkeit und brüderliche Hilfe

Mit Blick auf den lateinamerikanischen Kontinent beklagte Benedikt XVI. ein Erstarken der Kriminalität in Zusammenhang mit dem Drogenhandel. Ostern solle dort zu einem "Sieg des friedlichen Zusammenlebens und der Achtung des Gemeinwohls" beitragen. Weiters rief Benedikt XVI. zu einem Ende der Konflikte in Afrika auf, vor allem im Kongo, in Guinea und Nigeria. Nur Frieden und Versöhnung böten eine Gewähr für die Entwicklung des Kontinents. Besonders erinnerte der Papst auch an die verfolgten Christen in Pakistan und bat für Länder, die vom Terrorismus und von sozialen oder religiösen Diskriminierungen betroffen sind, um Kraft zu einem neuen Dialog.

Im Wirtschaftsleben und bei Finanzaktionen müssten endlich die Kriterien der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der brüderlichen Hilfe gelten, appellierte Benedikt XVI. an die Regierenden der Weltgemeinschaft. Die "rettende Kraft der Auferstehung Christi" solle der Menschheit helfen, die "vielfachen und tragischen Äußerungen einer sich ausbreitenden Kultur des Todes zu überwinden", so der Papst.

 

(Ag.)