Schnellauswahl

Euro 2012: Ukraine will die "Schande" abwenden

Euro 2012 Ukraine will
Platini(c) EPA (RADU VIOREANU)
  • Drucken

Uefa-Chef Michel Platini droht wieder einmal einem Veranstalterland. In der Ukraine will man mit einer Lotterie Millionen in die leeren Staatskassen spülen, um die Vorbereitung auf die EM 2012 voranzutreiben.

WARSCHAU. Plötzlich sprudeln die Ideen. Eine Lotterie soll ins Leben gerufen werden, sagt Boris Kolesnikow. Damit könnten Millionen in die leeren ukrainischen Staatskassen gespült werden, um die Vorbereitung auf die Fußball-EM 2012 im eigenen Land voranzutreiben, glaubt der neue Vorsitzende des Organisationskomitees in der Hauptstadt Kiew. Zudem will er den vier Austragungsstätten in Kiew, Lemberg, Donezk und Charkow insgesamt 2000 Busse zur Verfügung stellen, um den reibungslosen Bustransfer der Fans zu den Stadien zu gewährleisten.

Der Aktionismus von Boris Kolesnikow hat einen guten Grund. Der europäische Fußballverband hat der Ukraine, die das Turnier zusammen mit Polen austragen soll, wieder einmal ein Ultimatum gestellt, da die Arbeiten an den zahlreichen Projekten zuletzt praktisch zum Erliegen gekommen sind. Ursache dafür war nicht nur der außergewöhnlich strenge Winter, sondern vor allem das politische Chaos der vergangenen Monate. Doch nun ist der Schnee geschmolzen, das Land hat einen neuen Präsidenten, und auch die Regierung wurde ausgewechselt. In den Augen der Uefa schien es offensichtlich angebracht, einen letzten Warnschuss abzugeben. Er mache sich „Sorgen“ um die EM 2012, ließ Uefa-Chef Michel Platini in diesen Tagen am Rande einer Veranstaltung der Europäischen Kommission in Brüssel wissen.

Die Stadien in Lemberg und Kiew bereiteten ihm die größten Probleme, erklärte der Funktionär. In Lemberg sei man „bei den Bauten keinen Millimeter weiter“. Aber auch in Kiew, wo das EM-Endspiel stattfinden soll, liegt vieles im Argen. Wenn die Arena in der Hauptstadt nicht fertig werde, drohte Platini, werde es in der Ukraine keine Europameisterschaft geben.

 

Zusätzliche Finanzspritze

Boris Kolesnikow, der nicht nur die EM organisiert, sondern auch Vizepremier der Ukraine ist, nahm diese Warnung zum Anlass, alle Minister seines Kabinetts zusammenzutrommeln. Aufgabe werde es sein, die Gründe für die Verzögerung vor allem in Kiew zu analysieren und „bis zum 1. September wieder im Zeitplan zu sein“. Weil solche Versprechungen in der Vergangenheit allerdings nicht immer eingehalten wurden, will sich Uefa-Chef Platini nach Ostern noch einmal persönlich in der Ukraine von den Fortschritten der Bauarbeiten überzeugen.

Da in Lemberg nicht nur der Stadionbau im Verzug ist, sondern auch der Flughafen und andere Infrastrukturprojekte dem Zeitplan hinterherhinken, plant die Regierung, der Stadt mit einer zusätzlichen Finanzspritze von mehreren Millionen Euro auf die Sprünge zu helfen.

Die Ukraine scheint die Zeichen erkannt zu haben, und so hat sich auch der neue Präsident Viktor Janukowitsch in die EM-Vorbereitungen eingeschaltet. „Es wäre eine Schande für die Ukraine, würde man uns die Euro 2012 entziehen“, erklärte der Staatschef und machte das Turnier zur nationalen Angelegenheit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.04.2010)