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Fake oder True: Wie sich Botschaften in den Social Media verbreiten

Pixabay
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Dass gesteuerte Nachrichten politische Prozesse beeinflussen, ist seit der Trump-Wahl und dem Brexit-Refendum hinlänglich bekannt. Ein WU-Forscherteam untersuchte die Gesetzmäßigkeiten.

Wie wirken sich emotionale Botschaften auf die Kommunikation in den Social Media aus? Dieser Frage gingen die WU-Forscher Ema Kušen und Mark Strembeck vom Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien nach. Sie erkannten einige Regeln.

  • Emotionale Nachrichten werden deutlich häufiger verbreitet als neutrale. Das wurde etwa rund um die Ausschreitungen beim G20-Gipfel 2017 in Hamburg deutlich. Wir müssen nicht so weit schauen: Beim österreichischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 verschickte Alexander van der Bellen hauptsächlich neutrale Botschaften, Gegenkandidat Norbert Hofer hauptsächlich emotionale. Den Grund wissen wir nun. Übrigens trugen ausgerechnet van der Bellens Befürworter erheblich zur Verbreitung von Falschmeldungen über ihn bei.

  • Negative Nachrichten werden über einen längeren Zeitraum verbreitet als neutrale. Auch das wurde im österreichischen Präsidentschaftswahlkampf belegt.

  • Terror, Krieg, Naturkatastrophen: Selbst in Bezug auf negative Ereignisse wird eine erstaunlich große Anzahl positiver Botschaften versandt. Grund ist die „Undoing Hypothesis“, der Versuch, positive Emotionen als Gegenmittel gegen negative einzusetzen.

Social Bots

Bei der gesteuerten Verbreitung von Botschaften werden oft Social Bots eingesetzt. Das sind automatisierte Software-Programme, die menschliche Verhaltensmuster imitieren. Sie sind schwer bis gar nicht zu erkennen und sind besonders beliebt bei polarisierenden Ereignissen (Wahlen). Ihr Ziel: die Diskussion im Sinne des Auftraggebers zu drehen. Woran man erkennt, dass kein echter Mensch dahintersteckt:

  • Social Bots arbeiten fast nur mit emotionalen Botschaften. Oft sind das Fake News, die sie in andere Diskussionen zum Thema einstreuen. Polarisiert also eine bislang neutrale Diskussion plötzlich, steckt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Social Bot dahinter.

  • Social Bots bringen sich auch in Diskussionen ein, die gar nichts mit ihrem Thema (der Wahl) zu tun haben. In den USA war das rund um das Erntedankfest zu beobachten.

  • Während menschliche User sich eher der Grundstimmung einer Diskussion anschließen, versuchen Social Bots diese in ihrem Sinn zu drehen. Tauch also unerwartet eine entgegengesetzten Emotion auf („Shifted Emotion“), die sich deutlich von der Grundstimmung abhebt, steckt oft ein Social Bot dahinter. Menschen fallen leicht darauf rein: Genaus diese Botschaften bekommen besonders viel Aufmerksamkeit und viele Likes und Retweets - genau das, was die Auftraggeber wollten.

 

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