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Brexit-Match auf dem Centre-Court

„Order!“, hallte es neulich durch die heiligen Hallen des House of Commons in Westminster, dass die Wände wackelten.

„Order!“, hallte es neulich durch die heiligen Hallen des House of Commons in Westminster, dass die Wände wackelten. Selten war ein Ordnungsruf so angebracht wie nach den jüngsten Brexit-Debatten im Tollhaus des Londoner Parlaments. Es erinnerte an die „last order“ im Pub: Sperrstunde im Königreich, das drohende Ende der „tea time“ wegen Rationierung der Teeimporte. Horribile dictu! Wie auf der Titanic schmiss Tory-Rebell Jacob Rees-Mogg mit Boris Johnson und Konsorten eine überschäumende Schampussause, als stünde das Empire vor der Wiederauferstehung.
John Bercow, der Speaker, der im schwarzen Talar mit schillernder Krawatte wie ein König thront, hat den Flohzirkus im Unterhaus zu bändigen. Der Sohn eines Taxifahrers mit dem marktschreierischen Organ eines Fischhändlers, ein Thatcher-Fan der ersten Stunde, war ehedem drauf und dran, Tennisprofi zu werden.

Für eine solche Karriere ist es zu spät, nicht aber für die eines Umpire im Wimbledon, wo Bad Boy John McEnroe früher nach Herzenslust geflucht und Rackets zerschmettert hat. Womöglich sollte man das Brexit-Match ohnehin auf dem Centre-Court austragen: Theresa May versus Jeremy Corbyn – oder besser noch gegen Boris Johnson alias BoJo. May mit der linkischen Grandezza einer Steffi Graf, BoJo mit der unbändigen Wucht eines Boris Becker. (vier)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2019)