Toter Flüchtling mit Schulzeugnis in der Tasche bewegt Italien

Migrantenboot im Mittelmeer (Archivbild)
Migrantenboot im Mittelmeer (Archivbild)APA/AFP/ARIS MESSINIS

Bei der Leiche eines Teenagers, die nach einem Jahr im Meer geborgen worden war, fand sich in der Kleidung ein amtliches Schulzeugnis aus Mali mit guten Noten eingenäht, berichtet eine Ärztin in einem Buch.

Das Schicksal eines bei einer Seefahrt über das Mittelmeer ertrunkenen Migranten aus Mali bewegt Italien. Der 14-jährige Flüchtling befand sich an Bord eines Schiffs, das im April 2015 mit circa 1000 Menschen an Bord vor Libyen gekentert war. 528 Leichen wurden damals geborgen.

Ein Jahr lang lag die Leiche des Flüchtlings auf dem Meeresboden, bevor sie 2016 geborgen wurde. Die Mailänder Ärztin Cristina Cattaneo, die die Leiche damals zur Identifizierung untersuchte, fand, sorgfältig in der Jacke des Jugendlichen eingenäht, ein amtliches Schulzeugnis in arabischer und französischer Sprache. Und sagt nun: "Wir alle, die die Leiche untersuchten, hatten denselben Gedanken: Wir dachten an die Erwartungen dieses jungen Flüchtlings aus Mali, der so sorgfältig sein Schulzeugnis mit guten Noten versteckt hatte. Damit hoffte er offenkundig, sich die Tore einer italienischen oder europäischen Schule zu erschließen."

Das berichtet Cattaneo im Buch "Naufraghi senza volto" (Schiffbrüchige ohne Gesicht), das vom italienischen Verlag Cortina veröffentlicht wurde.

Seit 2013 versucht Cattaneo Leichen ertrunkener Migranten zu identifizieren. In den Taschen der Toten finde sie, wie sie schreibt, nicht nur Dokumente und Geld, sondern oft auch Säckchen mit Erde aus der Heimatgegend, Bilder von Angehörigen und Briefe.

Das Schiff mit dem Burschen aus Mali war gekentert, weil die Insassen unüberlegt auf eine Seite liefen, als sich ihnen ein Handelsschiff näherte. Hunderte Menschen stürzten darauf gleichzeitig ins Wasser.

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