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Langschläferin

Tochter Magda ist empört. „Dein Kurz-Burli kann mir gestohlen bleiben“, mault sie, obzwar sie sich doch normalerweise politisch kaum echauffiert.

Was haben wir falsch gemacht im Erziehungsprozess unserer Studentin? Wächst uns Spießbürgern da im tiefsten Hietzing womöglich eine linkslinksgrüne Xanthippe heran? Sie wird doch nicht!?!?

Nein. Magda ist Langschläferin. Ein Privileg, das sie nur noch zwei bis drei Jahre wird genießen können. Denn als Frau Professor ist's damit vorbei. Nur unzureichend informiert, schäumt sie über die kühne Wortmeldung des jungen Kanzlers, dass in Wien nur noch die Schüler frühmorgens aus den Federn fleuchten. Dabei war dieser provokativ-flapsige Sager so ziemlich der einzige Knaller, den der kurze Sebastian seit einem Jahr steigen ließ. Wie auch immer, Magda verzeiht ihm nicht. Sie hat eben ihren eigenen Arbeitsrhythmus, der freilich gewöhnungsbedürftig ist. Solang das Studium nicht darunter leidet, soll's uns recht sein.

Vielleicht aber, so denkt man sich, war das Kurz'sche Bonmot Ausdruck eines tief sitzenden Neidgefühls, selbst nie eine solch unbeschwerte Studienzeit genossen zu haben. Mit 24 Staatssekretär – da dreht sich Magda gerade noch mal im Bette um. Sie holt sich, was ihr zusteht . . . (hws)

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2019)