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Wie ernähren Vegetarier und Veganer ihre Haustiere?

Die Presse/Clemens Fabry

Wie lösen Vegetarier und Veganer das moralische Dilemma, dass sie zwar selbst Fleisch bzw. auch Milch ablehnen – dass ihre Heimtiere dieses Futter aber brauchen?

Vegetarier und Veganer haben viele gute Gründe, warum sie auf Fleisch- bzw. auch auf Milchprodukte verzichten: Pflanzliche Ernährung bringt gesundheitliche Vorteile, verhindert tierisches Leid, ist ressourcenschonender und verursacht weniger Umweltprobleme und Treibhausgasemissionen. Wenn Vegetarier und Veganer mit Heimtieren zusammenleben, geraten sie freilich in ein moralisches Dilemma: Katzen sind obligatorische Fleischfresser, und auch Hunde verschmähen als Allesfresser Fleisch ganz und gar nicht. Also was tun? Geht die Liebe zur Katze so weit, dass ein vegetarischer Tierhalter über seinen Schatten springt und dem Tier trotzdem seine tägliche Fleischration gönnt? Oder sind die Bedenken gegen die Nutztierhaltung doch zu groß – auch wenn dies möglicherweise der Gesundheit der vierbeinigen Lieblinge schadet?

Wie in der Praxis mit diesem Dilemma umgegangen wird, haben sich kanadische Forscher angesehen: Sie haben einen umfassenden Fragebogen konzipiert und über Netzwerke von Tierhaltern verbreitet. Die Auswertung der 3673 retournierten Fragebögen zeigte zum einen, dass Vegetarier und Veganer häufiger Heimtiere haben – sie machen zwölf Prozent aller Tierhalter aus. Zum anderen wurde aber auch klar, dass sich viele Tierhalter Gedanken über die Ernährung von Hund und Katz' machen: Jeder zweite Studienteilnehmer äußerte Bedenken gegen tierisches Futter – vor allem aus Tierschutzgründen (Plos One, 15. 1.).

Diesen Gedanken folgen aber nur ganz selten Taten: Nur 1,6 Prozent der in der Umfrage erfassten Heimtiere wurden rein pflanzlich ernährt. Immerhin jeder vierte Veganer fütterte seine Heimtiere ohne tierische Kost, aber nur ein einziger Vegetarier verbannte Fleisch aus der Futterschüssel. Als Gründe, warum sogar die Mehrheit der Veganer die Fütterung nicht umstellt, wurden zum einen der Preis genannt und zum anderen Sorgen, dass den Tieren wichtige Nährstoffe fehlen könnten.

Die Studie ist freilich eine Momentaufnahme: Zurzeit bringen immer mehr Hersteller von Tiernahrung veganes Futter auf den Markt, daher ist zu erwarten, dass mehr Tierhalter die Fütterung umstellen, um ihrem moralischen Dilemma zu entkommen. Das Thema ist jedenfalls keine unwichtige Randerscheinung: Wie der kalifornische Forscher Gregory Okin berechnet hat, sind die 163 Millionen Hunde und Katzen, die in den USA leben, für rund ein Viertel des dortigen Fleischkonsums verantwortlich.


Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum Magazins“.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2019)