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„Der Pass“: Was will dieser Krampus?

Nicholas Ofczarek und Julia Jentsch sind das sehr gegensätzliche Ermittlerpaar in der neuen Sky-Serie „Der Pass“.
Nicholas Ofczarek und Julia Jentsch sind das sehr gegensätzliche Ermittlerpaar in der neuen Sky-Serie „Der Pass“.Sky Deutschland AG

Das Regie- und Drehbuchduo Cyrill Boss und Philipp Stennert hat eine düstere Alpin Noir-Serie für Sky entworfen. Nicholas Ofczarek und Julia Jentsch versuchen eine Mordserie im deutsch-österreichischen Grenzland zu stoppen.

Teekessel – so nennt man Worte mit doppelter (oder mehrfacher) Bedeutung. „Pass“ ist ein solches und in der gleichnamigen Serie von Sky wird bewusst auf dessen verschiedene Bedeutungen angespielt: Der Pass steht für den Ort an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich, an dem gleich zu Beginn eine seltsam inszenierte Leiche entdeckt wird; der Oberkörper liegt in Österreich, die Beine in Deutschland. Just hier, im Grenzland zwischen Bayern und Salzburg, bezeichnet man als „Pass“ aber auch eine kostümierte Gruppe aus Nikolaus, Engel und Krampus, die bei Winterumzügen gemeinsam auftreten. Und in der achtteiligen Serie geht der Schrecken von einer Gestalt mit Krampusmaske aus.

Das deutsche Drehbuchduo Cyrill Boss und Philipp Stennert hat das düstere Drama um eine mysteriöse Mordserie in den Alpen verfasst und sich gemeinsam mit Kameramann Philip Peschlow viel Mühe bei der Inszenierung gegeben. Für das österreichische Lokalkolorit sorgt einerseits Hauptdarsteller Nicholas Ofczarek, der als zynischer und gebrochener Polizeibeamter Gedeon Winter aus Salzburg mit der jungen, ehrgeizigen Ermittlerin Ellie Stocker, gespielt von Julia Jentsch, aus Berchtesgaden zusammenarbeiten muss. Und andererseits die gelungene Musiktapete mit Klassikern von Wolfgang Ambros (Winter zu seiner Kollegin: „Bekannt?“ Sie antwortet: „Nein.“) bis zu neuen Klängen aus Salzburg von Mitgliedern der Hanuschplatzgang wie Crack Ignaz oder dem Wiener Hip-Hop-Duo Kreiml & Samurai.


Vorbild war „Die Brücke“. Die Serie ist nach „Babylon Berlin“ und „Das Boot“ die dritte Eigenproduktion von Sky Deutschland, je zur Hälfte produziert von einer deutschen (Wiedemann und Berg) und einer österreichischen Produktionsfirma (Epo Film). Vorbild war die erfolgreiche skandinavische Serie „Die Brücke“ aus 2011, in der an der dänisch-schwedischen Grenze eine Mordserie aufgeklärt wird. Und mit „Alpin Noir“ lässt sich das Genre in Anlehnung an die Nordic Noir-Filme recht treffend beschreiben.

Schon nach der ersten Folge ist die Befürchtung zerstreut, der „Pass“ könnte sich zu lang mit klischeehaften deutsch-österreichischen Mentalitätsunterschieden aufhalten. Es bleibt erfreulicherweise bei den Mentalitätsunterschieden zwischen dem kaputten Gedeon Winter und der anfänglich noch sehr aufgeräumten Ellie Stocker, die der Zufall und eine Reihe von Leichen zueinander gebracht haben.

Es ist vor allem die düstere Bildsprache in den winterlichen Alpen, die der Serie schon vor dem Start das Label „Alpin Noir“ verpasst hat. Und Produzenten, Schauspieler und Drehbuchautoren sind sich einig, dass es gut war, dass die Dreharbeiten nicht in diesem, sondern im vergangenen Winter anstanden. Die aktuellen Schneemassen im Land hätten den Dreh unmöglich gemacht und lang verzögert. Mutig und eher ungewöhnlich ist der Erzählweg, denn bereits in Folge drei erfahren die Zuseher, wer der Mörder ist.


Narzisstische Männertypen. Dass sich die Spannung trotzdem hält, liegt vor allem an den auffallend starken Bildern und dem schon erwähnten düsteren Farbton. Bei den Dreharbeiten wurde daran gedacht, dass kaum knallige Farben eingesetzt werden, wie Cyrill Boss und Philipp Stennert erzählen, die vor gut drei Jahren mit der Arbeit zu „Der Pass“ begonnen haben. Die erste Szene erinnert übrigens an das Flüchtlingsdrama im August 2015, bei dem 71 Flüchtlinge in einem Kühllastwagen aus Ungarn erstickt sind. In der Serie entdecken drei Polizisten 26 tote Flüchtlinge in einem LKW in der Steiermark. Und kurz darauf wird die Leiche des Flüchtlingsschleppers entdeckt. Das Ensemble ist weitgehend männlich: Franz Hartwig („Tatort“, etc.) spielt den Täter glaubhaft irre. Lukas Miko („Angelo“, „Die beste aller Welten“) einen Sektenführer subtil Furcht einflößend. Er sagt, die Serie sehe „sehr genau hin auf narzisstische Männertypen, die derzeit die Welt bewegen à la Trump.“


„Der Pass“: Acht Folgen ab Freitag, 25. Jänner um 20.15 h auf Sky 1. Alle Folgen abrufbar über Sky Ticket, Sky Go.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2019)