Afrikas unregierbarer Riese

Wer mitten in der Nacht, obendrein an einem Wochenende und zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit, offizielle Ergebnisse und Urteile kundtut, macht sich per se verdächtig.

Es ist, als hätte er vor dem Licht der Öffentlichkeit etwas zu verbergen und wollte unter allen Umständen einen Aufruhr vermeiden.

So geschehen im Kongo, dem viel zitierten „Herzen der Finsternis“. Sowohl die Wahlkommission als auch das Verfassungsgericht in Kinshasa scheuten keine Überstunden, um den Oppositionspolitiker Félix Tshisekedi zum Sieger einer Präsidentenwahl zu deklarieren, die nach Ansicht unabhängiger Beobachter und der einflussreichen katholischen Kirche massiv manipuliert worden war.

Die ein ums andere Mal aufgeschobene Wahl, in einigen Landesteilen unter fadenscheinigen Gründen ausgesetzt, stand unter einem schlechten Stern. Der Kandidat Laurent Kabilas, des starken Manns, hatte offenkundig so klar verloren, dass Kabilas Gunst auf Tshisekedi fiel. Für ihn ist die Rolle der Marionette vorgesehen.

Der mutmaßliche Wahlsieger rief indessen zu Protesten auf, was neues Blutvergießen befürchten lässt. Seit Ende der Kolonialzeit wartet Kongo auf die Demokratie – und wurde von den Mobutus und Kabilas darum betrogen. Womöglich ist Afrikas Riese mit seiner Vielzahl an Stämmen und Bodenschätzen unregierbar.

E-Mails an:thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2019)

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