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Aktien: Comeback der Schwellenländer

Die Kapitalmärkte der Schwellenländer haben eine lange Durststrecke hinter sich. Nun wendet sich das Blatt – aus mehreren Gründen.

Wien. Es passt so gar nicht ins Bild, das China mit seinen am Montag vorgelegten Konjunkturzahlen zeichnet oder das die schwachen BIP-Prognosen etwa für Russland zeigen. Aber auf dem Aktienmarkt feiern die Schwellenländer ein eindeutiges Comeback. Jedenfalls stehen sie den westlichen Industrieländern seit Jahresbeginn nicht nur nicht nach, sondern in einzelnen Fällen sogar besser da: Während der MSCI World Index, der die Aktien-Performance in 23 Industrieländern misst, um 6,3 Prozent gestiegen ist, legte der Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets um 6,5 Prozent zu.

Schon Ende des Vorjahres begann Geld in die Schwellenländer zu fließen. Daten von EPFR Global zufolge betrug der Nettozufluss in Schwellenländerfonds in den vergangenen drei Monaten 27,5 Mrd. Dollar.

Die Trendwende folgt auf eine lange Durststrecke. Vor allem die relativ schnelle Anhebung der Leitzinsen in den USA führte in den vergangenen Jahren dazu, dass Geld aus den Emerging Markets nach Amerika floss. Dies schwächte nicht nur die Schwellenländeraktien, sondern auch ihre Währungen gegenüber dem US-Dollar. Nun aber kommt den Emerging Markets zugute, dass erstens die US-Notenbank Fed eine langsamere Gangart bei ihrer Zinspolitik angedeutet hat, zweitens die Probleme in den Industrieländern sich häufen und drittens der für viele Schwellenländer wichtige Ölpreis wieder anzieht. Im Falle Russlands etwa kommt hinzu, dass dort Dividenden winken wie nirgends auf der Welt. Entsprechend stieg der russische Leitindex, RTS, heuer um fast zehn Prozent. Der argentinische Merval-Index kletterte überhaupt um über 15 Prozent in die Höhe, der brasilianische Ibovespa, der bereits seit Mitte des Vorjahres aufgrund der neuen rechten Regierung sensationell gestiegen ist, um immerhin über acht Prozent. Auch die Währungen der entsprechenden Staaten erstarken.

Der Vermögensverwalter GAM Investments rät Brasilien und Russland überzugewichten und bleibt gegenüber Vietnam, Argentinien, Pakistan (und Rumänien) optimistisch. Bevorzugt werden sollten zyklische Werte aus der Finanz-, Grundstoffe-, Energie- und Versorgungsbranche. (est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2019)