Die Wiener Universität, heißt es, sei von Rudolf IV. gestiftet wor den. Daher sein Beiname "der Stifter". Das war vor fast 700 Jahren. Heutzutage stiften "Stifter" in Österreich ausschließlich (steuerschonende) Privatstiftungen, in denen, wie es ebenfalls heißt, zwischen 40 und 60 Milliarden Euro "geparkt" sind. Diese Stiftungen stellen ein riesiges, unzerbrechliches, weil durch Gesetz behütetes Sparschwein dar, das sich vorzugsweise von Immobilien und Liegenschaften ernährt, allerdings, ohne Folgeprodukte in der Form von zukunftsweisenden Investitionen zu erzeugen (siehe z. B. "Die Presse" vom 14. 10. und 2. 11. 2006).
Rudolf IV. gründete die Wiener Universität vor allem in Konkurrenz zur zuvor (1348) in Prag vom Luxemburger Karl IV. gegründeten Institution, wohl wissend um den Wert solcher Bildungsinstitutionen.
Von den rund 3000 in Österreich registrierten Stiftungen widmen sich nur etwa sechs Prozent der Förderung kultureller oder karitativer Zwecke ("Die Presse", 24. 6. 2006). Etwa 130 Millionen Euro an Erbschaftssteuer pro Jahr entgehen dem Staat durch Stiftungsgründungen. Das entspricht den Einnahmen aus Studiengebühren. (Übrigens: Rund 50 Milliarden Euro auf ein einfaches Sparbuch gelegt, erzielen zumindest drei Prozent an Zinsen. Das sind rund 150 Millionen Euro, wiederum ein Betrag, der den Studiengebühren entspricht.)
Es geht hier nicht darum festzustellen, ob wirtschaftspolitische Aussagen zutreffen wie "Das Kapital ist ein Vogerl: Wenn es Angst bekommt, fliegt es schnell wieder weg" ("Die Presse", 24. 6. 2006), oder ob es wahr ist, dass Stiftungen zur "Mumifizierung" österreichischer Privatbetriebe führen können. Nein, es geht darum festzustellen, dass die österreichischen Stiftungen kaum bildungspolitische oder wissenschaftliche Projekte unterstützen, wie es sonst in fast allen "westlichen" Ländern der Fall ist.
In Deutschland gibt es z. B. die Volkswagenstiftung (www.volks wagen-stiftung.de; Motto: "Wir stiften Wissen") oder die Heraeus Stiftung (www.we-heraeus-stiftung.de), die u. a. das Physik-Zentrum der Deutschen Forschungsgemeinde finanziert. In Skandinavien, insbesondere in Finnland, tragen Privatstiftungen beträchtlich zum technologischen Fortschritt in ihren Ländern bei. Die meisten amerikanischen "Ivy league"-Universitäten müssten ohne Stiftungen bzw. finanzielle Zuwendungen ihrer "alumni" schließen. Selbst im Nachbarland Italien sorgt eine Agnelli Stiftung (www.fondazione-agnelli.it) für wissenschaftlichen Fortschritt.
Die F. C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz ist in Potsdam, Deutschland, zu Hause; die etwa 6,8 Milliarden schwere österreichische Privatstiftung Flick ist dagegen nur durch Finanzmarktnachrichten bekannt. Für die Phrase "stiften gehen" scheint hierzulande nur der umgangssprachliche Kontext zu gelten. Vorschlag: Reden wir erst über sinnvolle Satzungen für Stiftungen, dann über Einhebung von Studiengebühren. Es sei denn, Sie gehören zu den etwa "4000 Rechtsanwälten und Steuerberatern, die unmittelbaren Nutzen aus Stiftungen ziehen" (W. Doralt, "Die Presse", 2. 11. 2006). Sie dürfen weiterhin von ängstlichen Vogerln plaudern.
Peter Weinberger forscht am Institut für Allgemeine Physik der TU Wien.