Konflikt in der Schweiz. Der Konzern rechtfertigt sich mit einer "Tendenz zu kleinen Verpackungsgrößen". Der Preis soll aber gleich bleiben, der Handel droht daher mit einer Blockade.
Coca-Cola, Fanta und Sprite gibt es in der Schweiz künftig nicht mehr in der Halbliter- und in der Literflasche. Das Abfüllunternehmen Coca-Cola HBC Schweiz verkleinert die Flaschengrößen ab April. Die Halbliterflasche fasst künftig nur noch 0,45 Liter, aus der Literflasche wird ein 0,75-Liter-Format. Coca-Cola HBC Schweiz bestätigte am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur AWP die Pläne, über die am Morgen die Tamedia-Zeitungen berichtet hatten.
Laut dem Zeitungsbericht schrumpfen zwar die Flaschengrößen, der Preis aber bleibt - es gibt also eine Preiserhöhung. Coca-Cola bestätigt dies allerdings nicht direkt, sondern weicht aus: Man biete weiterhin wettbewerbsfähige Preise an, hieß es. Zu den Gründen äußert sich das Abfüllunternehmen nur vage: Coca-Cola HBC passe seine Verpackungen laufend an und biete immer eine Auswahl verschiedener Größen. "Gleichzeitig sehen wir eine Tendenz zu kleinen Verpackungsgrößen".
Zugleich verweist die Getränkeabfüllerin auf die Kosten: "Als Schweizer Unternehmen mit zwei lokalen Standorten, rund 800 Mitarbeitenden und regionalen Rohmaterial- und Transportpartnern müssen wir die lokalen Kosten bewältigen, die über die letzten Jahre konstant hoch waren." Coca-Cola HBC bekenne sich zum Standort Schweiz.
Die Verbraucherzentrale Hamburg kürte die "Mogelpackung des Jahres 2018". Rund 40.000 Internetnutzer haben online abgestimmt, fünf Kandidaten befanden sich in der Vorauswahl. Die Konsumentenschützer klagen über versteckte Preiserhöhungen durch Füllmengenreduzierung und fordern von der Politik eine Transparenzplattform. Außerdem fordern sie, die "Müllflut, die mit dem stetig schrumpfenden Inhalt der Verpackungen einhergeht, zu stoppen". Die Presse (Michaela Bruckberger)
4,8 Prozent der Stimmen Die Grafschafter Krautfabrik hat den "Original Grafschafter Apfelschmaus" nicht nur in knalligeren Farben verpackt. Neu ist auch die Packungsgröße: Ins neue Glas werden nur noch 320 statt wie bisher 450 Gramm Fruchtaufstrich abgefüllt. "Da das Produkt bei vielen Händlern zum gleichen Preis verkauft wird, entspricht die geringere Füllmenge einer versteckten Preiserhöhung von über 40 Prozent ", kritisieren die Konsumentenschützer. Der Hersteller begründet die Änderungen mit veränderten Marktbedingungen. Sprich: Die Käufer bevorzugen kleinere Packungsgrößen. Verbraucherzentrale Hamburg
8,7 Prozent der Stimmen Zuerst waren es 170, dann 150 und jetzt 130 Gramm: Während der Preis für eine "Riesenrolle" Smarties nicht schrumpft, tut es die Füllmenge. Der Lebensmittelkonzern nennt die Vereinheitlichung von Produkten als Grund für den geringeren Inhalt. Die brachte auch eine Preissteigerung von rund 30 Prozent in vier Jahren mit sich. Verbraucherzentrale Hamburg
10,1 Prozent der Stimmen Bei den Mini Babybel Käsekugeln sind nicht nur Laibe klein, sondern auch die Netze locker befüllt. Neuerdings sind nur noch fünf (100 Gramm) statt sechs Käsekugeln (120 Gramm) enthalten. Die Verbraucherschützer kritisieren eine versteckte Preiserhöhung von 20 Prozent, der Hersteller rechtfertigt sich damit, dass ein "Ohne Gentechnik"-Siegel zu höheren Produktionskosten geführt hat. Verbraucherzentrale Hamburg
17,6 Prozent der Stimmen Auf den zweiten Platz hat es die Truthahnsalami Light 1 A geschafft, die im Diskonter Lidl unter der Eigenmarke Dulano angeboten wird. Hier kritisieren die Konsumentenschützer nicht die Füllmenge, sondern dass es sich um ein "vermentliches Light-Produkt" handelt. Denn tatsächlich enthält die Salami mehr Fett als die normale Truthahnsalami im Sortiment - dafür kostete sie aber 33 Prozent mehr. Eindeutig eine Mogelpackung. Verbraucherzentrale Hamburg
58,7 Prozent der Stimmen Diese Mogelpackung ist heuer der unangefochtene Sieger: Mehr als die Hälfte stimmten online für die Chipsletten von Lorenz ab. Die Füllmenge wurde drastisch gesenkt: von 170 auf 100 Gramm. Manche Händler reduzierten den Preis leicht, andere bieten die Packung zum gleichen Preis an wie früher: Das ergibt 70 Prozent versteckte Preiserhöhung. In einer Stellungnahme an die Konsumentenschützer schrieb Lorenz Snack-World, dass es "eine neue unverbindliche Preisempfehlung" für den Handel gäbe, nennt jedoch keine konkreten Zahlen. Klicken Sie weiter du den Kandidaten 2017 Verbraucherzentrale Hamburg
8,6 Prozent der Stimmen Bei gleichem Preis gibt es jetzt 25 Gramm weniger Erdnusslocken von The Lorenz Snack-World pro Packung. Das bedeutet: Die Erdnusslocken sind nun bis zu 12,5 Prozent teurer. Was die Konsumentenschützer ärgert: "Alte und neue Packungen sind nur mit Hilfe der kleingedruckten Mengenangaben auf der Rückseite voneinander zu unterscheiden." In einer Stellungnahme beruft sich Lorenz auf höhere Erdnusspreise. Verbraucherzentrale Hamburg
9,3 Prozent der Stimmen Von einem "Füllmengenkarussell seit 2009" sprechen die Konsumentenschützer bei den Mars Minis von Mars Deutschland. Jährlich wurde die Füllmenge nach unten geschraubt - nur um 2017 wieder auf die alte Menge von 250 Gramm zurückzukehren, verbunden mit einer kräftigen Preiserhöhung. Der Hersteller Mars verweist auf „Preissteigerungen beispielsweise im Rohstoff-, Energie- und Logistikbereich“. Verbraucherzentrale Hamburg
17,6 Prozent der Stimmen Mondelez hat bei seinem Milka Nussini Snack zusammen mit einem Produktrelaunch die Füllmenge von 37 auf 31,5 Gramm reduziert - bei gleichem Preis. Außerdem wurde die Menge der Zutat Haselnuss nach unten gesetzt. Waren es bei der alten Packung noch 14 Prozent, sind es nach dem Relaunch 9,5 Prozent. Der Hersteller antwortet in einem Statement eher ausweichend: "Wir entwickeln unser Sortiment stetig weiter, um unseren Konsumenten Geschmackserlebnisse zu bieten." Verbraucherzentrale Hamburg
27,9 Prozent der Stimmen Bei den zuckerfreien Mentos Pure White Kaugummis hat der Hersteller die Anzahl der Dragees stark reduziert: Statt 50 Stück werden jetzt pro Plastikdose nur noch 35 Stück verkauft. "Bei gleichem Preis von 2,49 Euro ist das eine deftige versteckte Preiserhöhung von 43 Prozent bezogen auf die Stückzahl", rechnet die Verbraucherzentrale Hamburg vor. Beim Mentos verweist man auf die veränderte Rezeptur. Verbraucherzentrale Hamburg
36,5 Prozent der Stimmen Der Inhalt des Müslis Vitalis schrumpfte mit dem Verweis auf eine "verbesserte Rezeptur" von 600 auf 500 Gramm bei gleichem Preis. Das entspricht einer versteckten Preiserhöhung von 20 Prozent. Das Urteil der Konsumentenschützer: "Dr. Oetker hat nicht nur die Reduzierung der Füllmenge raffiniert verborgen, sondern Verbrauchern auch noch einen höheren Zuckeranteil und weniger Vollkorn als verbesserte Rezeptur verkauft." Klicken Sie weiter zu den Mogelpackungen des Vorjahres Verbraucherzentrale Hamburg
Die Hamburger Verbraucherzentrale spürt bereits seit 2005 Mogelpackungen auf. >>> Die gesamte Liste finden Sie hier Verbraucherzentrale Hamburg
Versteckte Preiserhöhung: Das sind die "Mogelpackungen des Jahres"
Fliegt Cola aus dem Sortiment?
Ob die Konsumenten künftig für das gleiche Geld weniger Cola und Fanta bekommen, ist noch unklar. Die Migros bestätigte auf Anfrage, von Coca-Cola über die beabsichtigte Änderung informiert worden zu sein. "Wir prüfen dies zur Zeit in Bezug auf unsere zukünftige Sortimentsgestaltung", schrieb eine Sprecherin. Weitere Auskünfte könne sie aber aktuell nicht geben.
Ähnlich klingt es bei Denner, Coop und Aldi Suisse: Sie sind laut ihren Sprechern in Gesprächen mit Coca-Cola. Aldi und Lidl betonten, dass die Kundschaft sich darauf verlassen könne, dass ihr stets das beste Preis-Leistungs-Verhältnis geboten werde. Das gelte auch für Markenartikel, schrieb Aldi. Bei diesen prüfe der Discounter generell auch die Option des Grauimports.
Schweizer Einzelhändler haben schon in mehreren Fällen Coca-Cola-Getränke aus dem Ausland importiert statt von Coca-Cola HBC bezogen, um tiefere Preise zu bekommen. So etwa die Landi oder Denner.
Nicht der erste Konflikt mit dem Handel
Vor einigen Jahren hatte die Eidgenössische Wettbewerbskommission Weko auf Betreiben von Denner eine Voruntersuchung gegen Coca-Cola eingeleitet. Sie wollte prüfen, ob Coca-Cola Schweiz mit anderen Ländergesellschaften Absprachen zur Verhinderung von Parallelimporten getroffen hatte.
Nach der Beilegung des Konflikts zwischen Coca-Cola und Denner hatten die Wettbewerbshüter ihre Untersuchung 2015 aber eingestellt. Das Süßgetränk wurde als Folge des Konflikts auf breiter Front billiger.
Auch zwischen anderen Markenartikelherstellern und Einzelhändlern gibt es immer wieder Konflikte um die Preise. Eine beliebte Waffe der Läden in diesem Streit ist die Verbannung der Produkte aus den Regalen. Besonders Coop als größter Verkäufer von Markenartikeln hat wiederholt zu diesem Mittel gegriffen.