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Aktien: Wo es in den USA Chancen gibt

Anlageexpertin Nadia Grant hält die wirtschaftlichen Auswirkungen des Shutdown für überschaubar.
Anlageexpertin Nadia Grant hält die wirtschaftlichen Auswirkungen des Shutdown für überschaubar.(c) Valerie Voithofer
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Weshalb Banken, aber auch Funkmasten in den USA für Anleger interessant sind, erklärt Nadia Grant von Columbia Threadneedle. Vom Haushaltsdebakel lässt sie sich nicht abschrecken.

Wien. Die US-Wirtschaftsdaten waren im abgelaufenen Jahr durchwegs solide, die Unternehmensgewinne legten im historischen Vergleich sogar kräftig zu. Die Zahlen sprechen da eine deutliche Sprache, auch wenn die Berichtssaison für das vierte Quartal 2018 noch nicht ganz zu Ende ist. Bei Columbia Threadneedle schätzt man den durchschnittlichen Jahreszuwachs gegenüber 2017 insgesamt auf rund 25 Prozent, wovon sechs bis acht Prozent auf die Steuersenkung, der Rest auf das robuste Wachstum zurückgeführt werden.

Trotz der positiven Wirtschaftsdaten durchliefen aber auch die US-Märkte 2018 keine besonders erfreuliche Entwicklung. Das könnte sich heuer ändern, betont Nadia Grant im Gespräch mit der „Presse“. Sie leitet den Bereich US-Aktien bei Columbia Threadneedle, ist zudem Fondsmanagerin des Threadneedle (Lux) American Fund – und findet US-Aktien günstig bewertet.

Von dem anhaltenden Handelsdisput zwischen China und den USA lässt sich die Expertin genauso wenig verunsichern wie vom aktuellen Haushaltsdebakel: „Der Regierungsstillstand sollte den Konsumsektor nicht allzu sehr beeinträchtigen“, meint Grant. Medial sei der Wirbel groß. Letztendlich sei es aber eine überschaubare Gruppe, deren Gehaltszahlungen verzögert würden.

 

Apple: „Mehr als das iPhone“

Und in welchen Branchen wird die Fondsmanagerin fündig? Ein Ende des Wachstums im Technologiesektor sieht Grant derzeit nicht, trotz der heftigen Korrektur bei den Sektoraktien. Immerhin entfällt knapp ein Viertel des Fondsvermögens auf die Branche, etwa auf Titel wie Microsoft und Amazon. Es ist vor allem das weitere Potenzial im Geschäft mit der virtuellen Datenspeicherung, das Grant gut gefällt.

Ja sogar dem Apple-Konzern kann die Marktexpertin Positives abgewinnen – trotz der enttäuschenden Verkaufszahlen des neuen iPhone. Was sie so optimistisch stimmt? „Der Konzern hat längst mehr als nur das iPhone zu bieten.“ Dazu zähle etwa das Musikgeschäft mit iTunes oder Tablets. Obendrein könne man die Produkte untereinander virtuell vernetzen. „Das erhöht die Kundenbindung“, ein Konzept, dem Grant viel abgewinnen kann.

 

Bankentitel „noch günstig“

Einen weiteren Teil des Fonds streut sie auf Aktien von US-Investmentbanken, etwa JP Morgan und Bank of America. Trotz der starken Kursanstiege in den vergangenen Jahren seien die Titel noch immer günstig, findet die Fondsmanagerin.

Tatsächlich konnten die Ergebnisse der Finanzwerte im vierten Quartal 2018 überzeugen. Sie verdeutlichten einmal mehr, dass ihnen das wirtschaftliche Umfeld zugutekommt. Die Finanzhäuser profitierten auch kräftig von der Steuerreform. „Denn US-Investmentbanken machen einen großen Anteil ihres Geschäfts in den USA“, erklärt Grant. Das unterscheidet sie von vielen internationalen Großkonzernen, die deshalb weitaus weniger von der Steuerreform profitiert haben.

Doch die langjährige US-Marktexpertin wird auch in anderen Bereichen fündig, etwa im Bereich der Telekominfrastruktur. Dabei hat Grant ihre Position in Aktien von American Tower, einem US-Hersteller von Handymasten, sogar aufgestockt. „Die Menge an Datenvolumen steigt, und damit auch der Bedarf an Mobilfunkmasten“, begründet Grant den Schritt. Außerdem kassiert American Tower regelmäßig Mieten, die an die Inflationsrate indexiert sind. Dazu kommt, dass die Eintrittsbarrieren für potenzielle Konkurrenten hoch sind. Ein weiteres Merkmal der Branche, das der Threadneedle-Expertin gut gefällt.

 

Handelsstreit bald zu Ende?

Sie wird aber auch im Gesundheitssektor fündig, etwa mit Aktien der United Health Group. Die Gruppe mischt sowohl im Pharma- als auch im Versicherungsgeschäft mit. Sie könne somit jene Medikamente selbst wählen, die durch eine Versicherungspolizze gedeckt werden. „Damit lassen sich Kosten senken“, gibt sich Grant zuversichtlich für die weitere Geschäftsentwicklung des Konzerns.

Zuversichtlich ist sie im Übrigen auch für den Handelskonflikt zwischen den USA und China. Bis Anfang März werde es zu einer Lösung kommen, glaubt die Portfoliomanagerin. Schließlich stehe für Trump viel auf dem Spiel. Denn der mächtigste Mann der USA möchte ja im kommenden Jahr wiedergewählt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2019)