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Claudia Gamon verspricht Fleiß und Ausdauer in Brüssel

Die NEOS schicken Claudia Gamon als Spitzenkandidatin in die EU-Wahl.
Die NEOS schicken Claudia Gamon als Spitzenkandidatin in die EU-Wahl.APA/GEORG HOCHMUTH
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Die NEOS schicken Claudia Gamon als Spitzenkandidatin in die EU-Wahl.

Nach einem schlichten "cool!" unmittelbar nach ihrer Wahl hat sich die frisch gekürte Spitzenkandidatin der NEOS für die EU-Wahl, Claudia Gamon, bei den pinken Anhängern für das Vertrauen bedankt. "Wir sind das ehrlichste europäische Angebot, weil wir sind Europa", meinte sie Samstagnachmittag im Wiener Palais Wertheim. Sie bringe Fleiß und Ausdauer mit, versprach sie den Wahlkämpfern.

Auch Gamon hob schon wie zuvor Parteichefin Beate Meinl-Reisinger die "Freiheit des Individuums", die Menschenrechte und die liberale Demokratie hervor. Diese Art zu Leben, der europäische Lebensstil, "ist in Gefahr". Bei dieser Wahl gehe es darum, "ob Europa seine Souveränität nach außen und nach innen stärken kann", gegenüber globalen Playern wie China, Russland oder den USA.

"Es ist nicht einfach, europäisch zu sein, es ist manchmal urmühsam, europäisch zu sein, aber es lohnt sich", findet Gamon. Europa müsse "leben und es muss weiterentwickelt werden". Den NEOS gehe es nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner, sondern man wolle "hin zur größten gemeinsamen Vision, die man haben kann", bekräftigte sie die Idee der "Vereinigten Staaten von Europa" inklusive europäischem Pass, gemeinsamer Regierung und Armee. So könne man europäische Antworten auf die globalen Fragen wie Klimaschutz finden. Sie stehe für ein "Europa auf der Überholspur", erklärte Gamon.

Im Europa-Programm, das am Nachmittag beschlossen werden soll, seien Visionen und konkrete Schritte enthalten. "Wer Visionen hat, braucht keinen Arzt, sondern der braucht einen Plan, Fleiß und Ausdauer" - und all das bringe sie für den Wahlkampf und auch die nächsten Jahre in der EU mit, versicherte Gamon.

 

Eine echte Nea für Brüssel

Die NEOS schicken mit Claudia Gamon zwar eine junge Kandidatin ins Rennen um die EU-Mandate. An politischer Erfahrung mangelt es der vor einem Monat 30 Jahre alt gewordenen Vorarlbergerin aber nicht. Denn schon vor zehn Jahren stieg sie in das Business ein, damals noch auf Uni-Ebene.

Als Spitzenkandidatin der Jungen Liberalen erlangte sie 2011 erstmals ein wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Da hatte die aus der freiheitlichen Hochburg Nenzing stammende Unternehmertochter nicht nur die Matura absolviert sondern auch schon Meriten bei ihrem Studium der Internationalen Betriebswirtschaftslehre verdient. Mittlerweile hat sie längst einen Master-Titel in Sachen International Management.

Den NEOS schloss sich Gamon von Anfang an, sie gehört zu den Gründungsmitgliedern. Die von ihr maßgeblich geprägten Jungen Liberalen wurden in die JUNOS umgewandelt, als deren stellvertretende Vorsitzende sie diente. Massiv in die Schlacht warf sich Gamon bei der vergangenen Landtagswahl in Vorarlberg, wo erstmals der Einzug in ein Landesparlament gelang.

Wenig später ging der politische Karriereweg Gamons flott weiter. Als die heutige NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger in den Wiener Landtag wechselte, übernahm Gamon deren Mandat im Nationalrat, übrigens als einzige Frau in ihrer Fraktion. Dort war sie zu allen möglichen Themen engagiert, etwa zu Frauen- und Wissenschaftsangelegenheiten, aber eben auch in Sachen Europa oder Digitalisierung. Gezählt wird sie zum stark wirtschaftsliberalen Flügel der Partei.

Gamon setzt in der öffentlichen Kommunikation stark auf soziale Medien und lässt so die Öffentlichkeit nicht nur an ihren politischen sondern auch an manch privaten Tätigkeiten teilhaben. So weiß man, dass Gamon gerne läuft, Fan der Serie Game of Thrones ist und auch ganz gerne einmal bei Bällen das Tanzbein schwingt. Liiert ist sie seit einiger Zeit mit einem Hotelier aus dem Bregenzer Wald.

Persönlich ist Gamon durchaus umgänglich und scheut auch den Kontakt mit dem Wahlvolk nicht, was in den kommenden Wochen von Vorteil sein dürfte. Dank ihrer zweimaligen Spitzenkandidatur bei ÖH-Wahlen hat sie ja auch eine gewisse Erfahrung mit dem Platz an der Sonne. Wozu Gamon ein wenig neigt, ist zur - manchmal etwas übertrieben wirkenden - Aufregung. Auch hat sie einen Hang zu provokanten Positionierungen. Schaden muss das für eine relativ kleine Partei bei einem Urnengang mit traditionell schwieriger Wähler-Mobilisierung freilich nicht.

Zur Person: Claudia Gamon, geboren am 23. Dezember 1988 in Feldkirch, Master im Studium International Management/CEMS, zwei Mal Spitzenkandidatin der Jungen Liberalen (später JUNOS) bei ÖH-Wahlen, seit Oktober 2015 Abgeordnete zum Nationalrat.

(APA)