Glaubensfrage: Kärntner Bischof

Vatikan-Mitarbeiter sind trainiert, geschmeidige Entscheidungen zu treffen. Vier Gründe, weshalb Benno Elbs Kärntner Bischof wird.

Der Visitator visitierte. Von Freitag auf Samstag nächtigte Erzbischof Franz Lackner nicht im fürsterzbischöflichen Salzburg, er gab es billiger. Wobei billiger relativ ist. Denn er und sein Team haben sich nach St. Georgen am Längsee zurückgezogen. Ein teures Pflaster. Hier, ungefähr 20 Kilometer nordöstlich von Klagenfurt, hat jene Frau ihr Regime geführt, die Hauptgrund der Visitation ist.

Sie hat das Bildungshaus der Diözese Gurk-Klagenfurt mit Vier-Sterne-Hotel geleitet, vormals ein Benediktinerstift. Ihr Wirken hat nicht nur zu einer bemerkenswert hohen Personalfluktuation, sondern auch zu ebensolchen Schulden geführt. Zuletzt war das reiche Bistum, in dessen Eigentum das Anwesen steht, mit fast zwei Millionen Euro verschuldet.
Franz Lackner und die Seinen haben – Diskretion ist alles – hinter verschlossenen Türen in vier Gruppen Gespräche mit den Mitgliedern von Domkapitel und Konsistorium geführt und protokolliert. So will es die vatikanische Bürokratie. Ebenjene Bürokratie hat währenddessen mit hoher Wahrscheinlichkeit schon entschieden, wer neuer Bischof wird. Vier Gründe, weshalb Bischof Benno Elbs die Versetzung von Vorarlberg nach Kärnten bevorsteht:

1. Der Bischof muss bereits Bischof sein. Die Herausforderungen, die auf den neuen Chef der Diözese Gurk-Klagenfurt zukommen, sind kaum zu überschätzen. Das Domkapitel hat sich keine 24 Stunden nach dem Abgang von Alois Schwarz (Lobeshymnen auf ihn noch inklusive) zu einer harschen Gangart entschlossen. Die formal rechte Hand des Bischofs (de facto soll ja eine Vertraute von Schwarz die Geschäfte geführt haben), Generalvikar Engelbert Guggenberger, hat als Administrator eine Untersuchung der Vorgänge unter Schwarz eingeleitet und das Ergebnis entgegen dem vatikanischen Verbot publiziert. Ein Bischof hat es hier im Klerus mit sehr selbstbewussten Herren, einer (auch medial) aufgeheizten Stimmung im Land und Schulden in dem ihm allein unterstehenden Bistum (das berühmt-berüchtigte Mensalgut) zu tun. Der Neue muss als Bischof daher Erfahrung haben.

2. Der Bischof darf nicht aus Kärnten kommen. Zuletzt ist in der Problemdiözese die Zahl der Kirchenaustritte überdurchschnittlich gestiegen. Zu viele Kärntner sind mit der Vergangenheit, der 17-jährigen Amtszeit von Alois Schwarz, verwoben. Der Neue muss von Konflikten unbelastet sein.

3. Der Bischof muss Kärnten aber sehr gut kennen. Eine Schonfrist für die Einarbeitung wird nicht gewährt werden. Zu drängend sind die Probleme. Kaum jemand lernt im Schnellverfahren die Diözese so gut kennen wie ein Mitglied des Visitationsteams – wie es Benno Elbs ist.

4. Der Bischof muss über psychologisches Fingerspitzengefühl verfügen. Ein Psychotherapeut wäre ideal – wie es Benno Elbs ist. Dessen kleine (Noch-)Diözese Feldkirch ist schon jetzt zu bedauern.

dietmar.neuwirth@diepresse.com