Die Biennale Venedig wird sicher ein internationales Highlight. Spannend wird auch, wie viele Leonardos wirklich nach Paris finden.
Es ist ein chinesischer Fluch, der in der Zwischenkriegszeit u. a. durch den britischen Premier Chamberlain bekannt wurde: „May you live in interesting times.“ Unter dieses ambivalente Motto stellt der US-Kurator Ralph Rugoff, Direktor der Londoner Hayward Galerie, die diesjährige Ausgabe der Biennale Venedig, die er inhaltlich leitet.
Teilnehmerliste der Hauptausstellung ist noch keine bekannt, die Besetzungen der Länderpavillons sind es sehr wohl. Es war noch SP-Kulturminister Thomas Drozda, der hier die Weichen für Österreich gestellt hat mit der Bestellung der Kommissärin Felicitas Thun-Hohenstein. Sie trat an, die erste Künstlerin auszusuchen, die allein, also mit einer Soloausstellung, den österreichischen Pavillon bespielt. Renate Bertlmann wurde dann schon von Drodza-Nachfolger Gernot Blümel präsentiert. Eine spannende Wahl, Bertlmann wurde in den vergangenen Jahren auch international wiederentdeckt. Sie war eine der radikalen feministischen Performance- und Objektkünstlerinnen der 70er-Jahre. Jetzt bereitet sie den Weg für viele folgende Solokünstlerinnen hier im Ö-Pavillon. Womit genau, darüber kann man nur mutmaßen, es wird wohl etwas mit Latex sein, es wird sich wohl um Geschlechterrollen drehen.
Ein Österreicher poppt heuer überraschenderweise auch im Tschechischen Pavillon auf, nämlich der Museumsplaner Dieter Bogner, der hier als Kurator fungiert, er tritt mit dem Prager Bildhauer Stanislav Kolíbal an.
Venedig (11. Mai bis 24. November) ist also ein Fixpunkt im internationalen Ausstellungsgeschehen heuer. Im Sommer wird es in New York spannend, dann soll angeblich die Erweiterung des MoMA eröffnen. Eine große Tintoretto-Ausstellung lockt noch in die National Gallery in Washington (10. März bis 7. Juli), sonst kann man sich beruhigt auf die massigen europäischen Jubiläen konzentrieren: Rembrandt starb vor 350 Jahren, was das Rijksmuseum in Amsterdam zum Anlass nimmt, alles, was sie von ihm haben, in einer großen Ausstellung zu vereinen: 22 Gemälde, 60 Zeichnungen und über 300 Stiche. Drapiert um die frisch renovierte „Nachtwache“ (15. Februar bis 10. Juni).
Kulturdiplomatischer Zwist. Der 500. Todestag von Leonardo da Vinci führt zu interessant zu beobachtenden kulturdiplomatischen Zwistigkeiten zwischen Italien, wo der Universal-Renaissancekünstler geboren wurde, und Frankreich, wo er starb. Der Louvre kündigte für den Herbst an, soviel Leonardos wie noch nie unter dem skeptischen Blick der Mona Lisa zusammenzuführen (24. 10. bis 24. 2.). Doch die italienische Regierung, unterstützt durch Aussagen des Uffizien-Direktors Eike Schmidt, will jetzt doch nicht hergeben, was die vorherige Regierung den Franzosen angeblich bereits zugesagt haben soll. Wir werden spätestens im Herbst sehen, wie es ausging.
Bis dahin kann man Klötze staunen beim Bauhaus-Jubeljahr in Deutschland, vor 100 Jahren gegründet: Gleich zwei neue Museen, in Weimar und in Dessau, wurden gebaut. Eine große Ausstellung in der Berlinischen Galerie stellt die straighten Formfindungen von Gropius und Co. ab 6. September in 14 Fallgeschichten vor. Das ganze Programm unter: www.bauhaus100.de
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2019)