Nein, bei "Quasi" in St. Pölten muss man nicht sein

Die laut Programm als „Hommage“ gemeinte Revue „Quasi Jedermann“ ist schlicht misslungen.
Die laut Programm als „Hommage“ gemeinte Revue „Quasi Jedermann“ ist schlicht misslungen.(c) Alexi Pelekanos
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Misslungene Qualtinger-Revue im Landestheater Niederösterreich.

„Is she in Bruck an der Mur oder Ybbs an der Donau or is she in Bruck an der Leitha, and so weiter.“ Nein, St. Pölten kommt nicht vor im „Bundesbahn-Blues“, auch nicht in „Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben“, nicht einmal beim Travnicek. Kann man den Abend, den das Landestheater Niederösterreich nun Helmut Qualtinger widmet, als Rache für diese Nichtbeachtung interpretieren?

Keine besonders subtile Rache jedenfalls. Die laut Programm als „Hommage“ gemeinte Revue „Quasi Jedermann“ ist schlicht misslungen, gescheitert an der Selbstüberschätzung der Regie und der Schauspieler, die geglaubt haben, man könne aus ein paar zum Teil unbeholfen aktualisierten Textpassagen von Qualtinger/Merz, läppischen Liedern der Combo Wiener Blond und dem nicht sehr tragfähigen Schmäh, dass deutsche und Tiroler Jungschauspieler mehr oder weniger possierlich am wienerischen Sprachduktus scheitern, ein Würstelstand-Heurigen-Programm zusammenschustern.

Ja, sicher, man kann, aber es ist eigentlich respektlos. Den „Herrn Karl“ zu verhackstücken (wie man wohl in Essen und Berlin sagt) ist eine Anmaßung, an manchen Stellen – etwa wenn Tobias Artner die gerade durch ihre Nonchalance erschreckende Tennenbaum-Passage outrierend auswalzt – greift man sich an den Kopf. Michael Scherff hat wenigstens die Larmoyanz und das dämonisch-gemütliche Lächeln, verlässt sich aber zu sehr darauf.

„Travnicek und die Wahlen“ im Stil späterer Qualtinger-Dialoge von einer Prostituierten und einem Blumenhändler am Straßenrand sprechen zu lassen, ist vielleicht eine originelle Idee, das Extempore („Die FPÖ hab ich '38 schon gewählt“) ist grobschlächtig wie das Wiener-Blond-Lied „Gemeindebau“ (Refrain: „Ja, unterm Kreisky, da hätt's so was no net geb'n“). Ein virtuoses Potpourri aus Schüttelreimen kann nicht über die sprachlichen, rhythmischen Zumutungen in anderen Nummern hinwegtrösten. Und das bei der Premiere als Zugabe gebotene Medley aus Greatest Hits von „Krügel vor'm G'sicht“ bis zum „G'schupften Ferdl“ ginge als Mitternachtseinlage bei einem kleinstädtischen Gschnas durch, aber nicht in einem Landestheater.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2019)

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