Video von Bruchlandung eines russischen Backfire-Bombers

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Eine Tupolew Tu-22M3 (Nato-Code: Backfire-C) ist vor rund einer Woche bei der Landung in der Region Murmansk zerbrochen und explodiert.

Im Internet ist ein schauerliches Video aufgetaucht, das den Crash eines russischen Mittelstreckenbombers bei der Landung am Luftwaffenstützpunkt Olenegorsk in der nordrussischen Region Murmansk vor einer Woche zeigt.

Das Video (siehe unten, Beginn ab etwa Minute 1:10) zeigt, wie die Tupolew Tu-22M3 "Backfire" bei sehr schlechtem Wetter aus Nebel und Dunst auftaucht, praktisch unmittelbar beim Bodenkontakt auseinanderbricht wie ein Ast, den man nach oben knickt, und explodiert.

Der Bomber war laut Verteidigungsministerium unbewaffnet und von einem Übungsflug zurückgekehrt. Drei der vier Crewmitglieder (nach anderen Quellen alle vier) starben. 

Beobachter rätseln, wie das Flugzeug derart auseinanderbrechen konnte, zumal die Landung zwar hart wirkt, aber auch wieder nicht extrem hart. Möglicherweise, so ein Kommentator auf der  Luftfahrtwebsite The Aviationist, war der Rumpf des sicherlich angejahrten Flugzeugs - die Backfires waren in mehreren Varianten zu gesamt etwa 500 Stück von Anfang der 1970er bis Mitte der 1990er gebaut worden - schon durch mehrere harte Landungen angeknackst, jedenfalls von Mikrorissen durchsetzt.

Es handelte sich um den dritten Unfall so eines Mittelstreckenbombers binnen drei Jahren. Bei den vorigen beiden wurden die Maschinen im Juni 2016 und September 2017 bei der Landung schwer beschädigt.

Tupolew Tu-22M3
Tupolew Tu-22M3 Max071086/creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0

Die Tu-22M3, die häufigste Variante dieses Bombers, ist ein zweimotoriger Schwenkflügelbomber mit Höchstgeschwindigkeit bis zu etwa 2300 km/h. Bei üblicher Waffenlast (bis zu 24 Tonnen) und Unterschallgeschwindigkeit beträgt der Einsatzradius etwa 2500 Kilometer. Einer ihrer wichtigsten operativen Zwecke in einem Krieg mit dem Westen wäre gewesen, Schiffskonvois und Transportflugzeuge aus den USA und Kanada mit Kurs Europa mit weit reichenden Raketen und Marschflugkörpern anzugreifen sowie Seegebiete in der Nordsee, um Großbritannien und Regionen im Nordatlantik zu verminen.

Bombenteppiche auf Mudschaheddin

Im September 1980 flogen acht Tu-22M erstmals simulierte Angriffe auf die Kampfgruppen der US-Flugzeugträger "Enterprise" und "Midway" im Nordpazifik. Den ersten Kampfeinsatz gab es 1984 über Afghanistan, wo sie Mudschaheddin-Positionen massiv mit klassischen Freifallbomben eindeckten.

Seitens der Nato hielt man die Bomber für eine ernste Bedrohung, allerdings litten sie Berichten zufolge unter Fertigungs- und Wartungsmängeln sowie hoher Abnutzung etwa bei den Triebwerken. 1991 soll der Klarstand nur 30 bis 40 Prozent betragen haben.

Backfire eskortiert von F-16 der norwegischen Luftwaffe
Backfire eskortiert von F-16 der norwegischen LuftwaffeNorwegische Luftwaffe

Russland setzte Backfires 1995 über Tschetschenien ein sowie 2008 im Krieg mit Georgien - bei diesem ging ein Aufklärer Tu-22MR durch eine Luftabwehrrakete verloren. Im März 2013 flogen zwei Tu-22M3 einen simulierten Angriff mit Luft-Boden-Raketen oder Marschflugkörpern auf Stockholm. Die Sache sorgte im Nachhinein für besondere Aufregung in Schweden, weil die schwedische Luftwaffe keinerlei Abfangeinsatz unternommen hatte. In den vergangenen Jahren waren Backfires häufig über der Ost- und Nordsee aktiv sowie über Syrien.

Modernisierungsprogramm für 30 Stück

In den Export gelangten Backfires trotz Versuchen nie; nur Indien hat Anfang der 2000er-Jahre vier Stück für die Marine geleast, aber wieder zurückgegeben. Backfires, die nach dem Zerfall der UdSSR in den Besitz der neuen Staaten Ukraine und Weißrussland 2018 gelangten, wurden im Lauf der Zeit verschrottet oder Museen übergeben.

Blick ins Cockpit
Blick ins CockpitVitaly Kuzmin/CC BY-SA 4.0

2018 dürften noch etwa 63 Stück in Dienst gestanden sein. Vor wenigen Jahren begann ein Modernisierungsprogramm, um bis 2020 etwa 30 Maschinen auf den neuen Stand mit der Modellbezeichnung Tu-22M3M zu bringen. Dabei geht es etwa um neue Navigationssysteme, elektronische Störmaßnahmen und Waffen. Im August 2018 ist die erste derart umgebaute Maschine erschienen.

(wg)

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