Volksoper: Eine „Coppélia“ wie aus dem Märchenbuch

Turteltauben und Streithähne: Natascha Mair als Swanilda, Denys Cherevychko als Franz.
Turteltauben und Streithähne: Natascha Mair als Swanilda, Denys Cherevychko als Franz.(c) Volksoper
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Der Klassiker kehrt an die Volksoper zurück – im Original aus 1870, aber voll Witz und jugendlichem Charme.

Man kann es Coppélius nicht verdenken: Menschenscheu und schrullig, wie er ist, bastelt er sich lieber selbst seine Gefährten, als im Wirtshaus zu sitzen und mit den anderen aus dem Dorf zu trinken. Es ist der uralte Traum der Menschheit, dem der griesgrämige Alte nachhängt: Er baut mechanische Puppen, die aussehen wie Menschen. Aber es reicht ihm nicht, dass sie Bücher aufschlagen oder ein paar Takte auf einem Instrument spielen können – er will die Schönste und Anmutigste unter ihnen mithilfe eines Zaubers zum Leben erwecken, in der Hoffnung, von ihr geliebt zu werden . . . Es ist der Geist der Pariser Weltausstellung 1867, bei der die neuesten Automaten die Besucher fasziniert haben, der durch dieses spätromantische, 1870 in Paris uraufgeführte Ballett weht. Als Pierre Lacotte „Coppélia“ mehr als hundert Jahre später rekonstruierte (es gab keine schriftlichen Aufzeichnungen), machte er sich auf die „Suche nach dem Parfum einer Epoche“.

Und wie riecht sie nun, diese Epoche? Riecht es muffig und verstaubt, weil Choreografie, Bühnenbild und Kostüme den Originalen von 1870 nachempfunden wurden? Nein. Es riecht gut wie ein altes Märchenbuch, zu dem man immer wieder gern greift. Das detailreiche Bühnenbild schaut tatsächlich so aus wie die Aufklappbücher, bei denen sich jedes Bild auf mehreren Lagen hintereinander entfaltet, sodass man das Gefühl hat, man könnte direkt hineingehen. Auch das Libretto hat etwas Märchenhaftes: Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Swanilda und ihr Verlobter, Franz, der sich allerdings in eine andere verschaut hat: in die schöne Unbekannte, die reglos am Fenster des alten Coppélius sitzt und zu der er eines Nachts sogar fensterln gehen will. Eifersüchtig will Swanilda die Rivalin zur Rede stellen und schleicht sich mit ihren Freundinnen in die Werkstatt des Alten – wo sie entdeckt, dass es sich lediglich um eine Puppe handelt, die zwar schön ist, der aber etwas Wesentliches fehlt: ein Herz. Also verkleidet sich Swanilda als Coppélia, bringt den gefühlsverwirrten Franz zur Räson – und zur Heirat. Und wenn sie nicht gestorben sind . . .

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