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Datenaffäre um Post weitet sich aus

(c) Michaela Bruckberger

Mit einem Partner vermarktete die Post auch das Surfverhalten von Usern.

Wien. Nach der Affäre um die Auswertung und Speicherung der Parteiaffinität ihrer Kunden gerät die österreichische Post neuerlich in die Schlagzeilen: Diesmal hat sie mit der Agentur Twyn Group das Surfverhalten von Usern ausgewertet. Dann bot sie Unternehmen an, diesen Kunden auch brieflich Werbung zuzuschicken.

Die Rechercheplattform Addendum, die den möglichen Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung aufgedeckt hat, schildert die Problematik anschaulich so: „Ein User befindet sich im Onlineshop von Zalando, besucht später die Website von Porsche. Durch den Cookie von Twyn ist diese Information gesammelt, durch die hinterlegte Adresse beim Onlineshop der Wohnsitz des Users bekannt. Daraufhin schickt Porsche dem User per Post Werbematerial zu. Dass der User Interesse an einem Porsche haben könnte und wo dieser User wohnt, weiß die Firma aus den Daten, die Twyn über den Zalando-Besuch gesammelt hat und die die Post mit ihren Datensätzen abgleicht.“ (Anmerkung: auch wenn Zalando hier nur als Beispiel dient, legt das Unternehmen Wert auf die Feststellung, dass man keine persönlichen Daten verkaufe, mit denen Endkunden identifiziert oder direkt kontaktiert werden könnten).

Vermarktung gestoppt

Die Post erklärte in einer Stellungnahme, dass es sich um ein Produkt der Twyn Group handle. Das Adressmanagement der Post sorge lediglich „für eine entsprechende Qualitätssicherung“. Auch Twyn relativierte die Zusammenarbeit. Die Post sei lediglich Vertriebspartner.

Dennoch hat die Post die Zusammenarbeit kurz nach Beginn der Addendum-Recherchen gestoppt. Ein Sprecher meinte, man habe „eine Vertriebspause“ eingelegt, „um Kunden und Mitarbeiter vor weiteren medialen Angriffen zu schützen“.

Anfang des Jahres hatte Addendum aufgedeckt, dass die Post die Parteiaffinität von 2,2 Millionen Österreichern erhoben, gespeichert und vermarktet hatte. Nach dem Auffliegen des Skandals erklärte sie, diese Daten nach und nach löschen zu wollen. (red./ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2019)