Ikea im Museum

Ikea Museum
Ikea Museum(c) Die Neue Sammlung - The International Design Museum Munich (A. Lorenzo)
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WOHNLANDSCHAFT. Selbstbaumöbel auf Sockeln: Das Hofmobiliendepot scheitert am Teflon-Image von Ikea.

Nur die Fischbrötchen zur Eröffnung“, beschwichtigt Ilsebill Barta, Leiterin des Hofmobiliendepots: Mehr habe Ikea nicht bezahlt für die Ausstellung in ihrem Haus. Besonders kritisch wird das „Phänomen Ikea“ trotzdem nicht beleuchtet. Vielmehr höflich in die westeuropäische und schwedische Designgeschichte – vom Arts & Crafts Movement bis zum einflussreichen Individualstil des Aquarellisten Carl Larssen – eingebettet. Und zwar auf zitronengelben, wasserabweisenden Hightech-Inseln, die aussehen, als hätte Franz West aus den MQ-Enzis Couchtische für Zaha Hadid gefertigt, die aber vom Wiener Designerduo „Walking Chair“ stammen. Nett, aber beziehungslos.

Auf diesen Plattformen lernen wir erstens Folgendes: Nicht alles, was gelb ist, ist Ikea, man muss die Schilder genau lesen. Zwischen „Anna“ und „Ivar“ haben sich namenlose Klassiker gemischt, nur schwer von den flachlegbaren Nachfolgern unterscheidbar. Diese Mischung macht als Ratespiel zwar Spaß, befremdet aber ob der Methode: Der Möbelgigant scheint sich um Urheberschutz gerade so viel Kopfzerbrechen zu machen, dass er nicht verklagt wird. Alvar Aaltos Lehnstuhl von 1935 etwa unterscheidet sich optisch nur durch eine Strebe von seinem schwedischen Verwandten. Oder „Ögla“, der den Thonet-Stuhl Nr. 18 nur mit einer schwungvollen Schleife unterm Sitz abhängt. Ingvar Kamprad, der Ikea 1943 gründete, ließ ihn sogar in ehemaligen Thonet-Fabriken produzieren. Einmal ging die Annäherung doch zu weit, wie ein Wandtext vermerkt: Tischbock „Sture“ wurde erfolgreich auf Duplikat geklagt. So gesehen ist der designhistorische Rückschluss der Schau – nicht der Stil, die Methode sei Ikeas Fortschritt – zwar durchaus richtig, aber auch durchaus fragwürdig.

Am Ende scheinen sich die Designer zu rächen: Sechs Wiener Teams durften Ikea-Lampen umgestalten. Heraus kam eine „Pimp Light Show“, die erst wieder das Konzerninteresse (Individualität) verdeutlicht. Was weniger für sich hat, als es fesch klingt, betrachtet man zwei hier gegenübergestellte, ähnlich konformistische Durchschnittswohnzimmer der Österreicher: eines proper wie dem gelb-blauen Katalog entsprungen, das andere mit Bügeleisen wie aus dem Spießeralbtraum. Den einzig durchschlagenden Kommentar dazu schafften die Designer „Vandasye“: Sie besprühten eine Kugel-Lampe „Fado“ so lange mit grauer Farbe, bis sie einer Abrissbirne glich.

Bis 11.Juli, Di.–So. 10–18h, Andreasg. 7.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2010)

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