Ein Swingerclub wird Kunst – wird Kunst im Swingerclub zu Porno? Nein, zeigen junge Künstler. Sie nutzen die leer stehenden Originalräume spontan für eine Gruppenausstellung.
Bitte nicht vergessen, die Türe zu schließen“, erinnert eine Lautsprecherstimme im leicht schaurigen Niemandsland zwischen den beiden Eingangstüren des Swingerclubs „Element 6“ höflich an die prekäre Schleuse zwischen intim und öffentlich, die man hier betritt. Eine ungewohnte Begrüßung für einen Ausstellungsraum – und der erste (von gar nicht so vielen) Unterschieden zum Swingerclub-Nachbau in der Secession. Dort residiert „Element 6“ ja noch bis 18.April, mutiert zur nächtlich bespielten Skandalinstallation, durch die eine so heftig umstrittene wie praktizierte Spielart der Sexualität samt ihren Attributen temporär zu Kunst wird.
Im Gegenzug dazu nutzt eine Gruppe Studierender der Angewandten die leer stehenden Originalräume spontan für eine Gruppenausstellung: Drei Tage lang testen die jungen Künstler, wie sich eigene sowie eingeladene Werke in diesem Umfeld benehmen. Ziemlich unanständig, muss man sagen. Jeder Turm wird hier zum Phallus – sei er aus bunten Kinderbauklötzen wie der von Peter Fritzenwallner auf einem niederen Couchtisch aufgebaute oder aus schwarz lackiertem Styropor, wie das kristalline Riesending, das Herbert de Colle und Hannes Ribarits hinter die Bar gestellt haben. Im plüschigen Ambiente wird das abstrakte Teil zur aggressiv sexuellen männlichen Barmaid. Dieser Ort ist eben keiner „für Sublimierungsversuche“, wie es die Studierenden formulieren. Sondern eine Herausforderung: etwa für Siggi Hofers immerhin schwer lesbare Buchstabenkulisse. Der Schriftzug „Leer geblasen“ bekommt auf der kleinen, verlassenen Showbühne mit Stange eben eine durchaus andere Bedeutung, als er sie 2006 im luftigen Obergeschoß des Strabag-Hochhauses hatte.
Auch die Duschen und Kojen werden bespielt: In einer der Sexzonen etwa wartet ein körperlich schwer herausgefordertes Kuscheltier der Gelitins. In einer anderen Markus Proscheks „Fantom“, eine fetischhafte Stele mit Bienenkorbkopf, der für entindividualisierte Kollektive steht. Daneben Bernhard Hosas abnorme Porträts abnormer Rechtsbrecher. Davor Ines Hochgerners Gemälde von Freuds Couch ohne Teppich drüber – was einen seltsam schweißbefleckten Bezug preisgibt. Hier erinnert man sich auch an den Titel dieser so aktuellen wie unaufgeregten Initiative – der Umkehrung eines Freud-Zitats: „Wo Ich war, soll Es werden“.
Bis 11.April, Eröffnung heute, Fr., 19 h, Sa. 16–22 h, So. ab 17 h. Kaiserstr. 95, Wien 7.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.04.2010)