Autos der (näheren) Zukunft sind kein Mysterium. Wohin die Reise geht, verraten uns Designstudien schon heute. Der Rest liegt dann an uns.
Die Physik erlaubt keine Wunder: Wenn ein Auto in möglichst naher Zukunft nur noch einen Liter Sprit auf 100 Kilometer verbrauchen soll, dann wird es ganz zwangsläufig anders aussehen müssen als unsere heutigen Autos. Wir werden nicht mehr auf sportlichen Breitreifen dahinrollen und nicht mehr im Hochparterre nach SUV-Art logieren. Auch Pokale für den schnellsten Ampelstart wird es nicht geben. Wir werden uns nämlich ein wenig bescheiden müssen mit Platz, PS und Komfort.
Das jedenfalls ist die Botschaft des Volkswagen „L1“ (das Kürzel steht für einen Liter Spritverbrauch). Der voll fahrbereite Prototyp, der im Realbetrieb etwas mehr, nämlich 1,38 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchen soll – bequem zwei Drittel weniger als die allersparsamsten heutigen Autos –, ist nicht nur ein technisches Statement.
Es geht um die Gesamtwirkung. Denn das Innenleben des L1 ist keineswegs Zukunftsmusik, fast alle Bauteile existieren bereits: der kleine Dieselmotor, der unterstützende Elektromotor, das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das Fahrwerk – alles keine Hexerei. Auch die Serienfertigung in größeren Stückzahlen sollte sich in absehbarer Zeit realisieren lassen. Die Frage, die der L1 aber ganz förmlich in den Raum stellt: Würden Autos, die so aussehen, auch akzeptiert, sprich: gekauft werden? Wenn wir sparsame Autos wie den L1 haben wollen, so Volkswagen, dann dreht sich alles um Leichtbau, Aerodynamik und um eine neue Bescheidenheit in den Ansprüchen. Sind wir schon bereit dafür?
Fast scheint es, als würde das Auto, das fahrbereit keine 400 Kilogramm wiegt, auch an die Insassen appellieren, Diät zu halten. Zum Wohl der Windschlüpfrigkeit sind die Hinterräder hinter Blenden versteckt, Fahrer und Passagier sitzen hintereinander.
Immerhin könnte man auch auf heutigen Autobahnen halbwegs mithalten – und erst recht auf den rigoros überwachten der Zukunft, wenn Tempobolzerei nur noch als Anekdotensammlung vom Opa existiert. Stauraum hat der L1 für einen kleineren Koffer und zwei Taschen. Da waren wir eigentlich schon: Die Messerschmitt-Kabinenroller aus den 1950er-Jahren folgten ähnlichen Gestaltungsprinzipien. Scheint also, als müssten wir zunächst zurück in die Zukunft.
Eigene Ästhetik. Wesentlich früher, nämlich vielleicht schon in diesem Jahr, soll es Audis Elektrosportwagen
„e-tron“ zu kaufen geben. Audis Chefdesigner Stefan
Sielaff will die Technik des e-tron auch im Design umgesetzt sehen: „Man muss für alternative Antriebe eine eigene Ästhetik generieren. Ich halte nichts davon, die Verbrenneroptik durchzuziehen und nur die Endrohre abzuschrauben und dann e-tron oder sonst was draufzuschreiben.“ Das Designerteam um Sielaff ließ sich beim e-tron von Stromgeneratoren inspirieren: „Ein Großteil der Batterien, die ja wahnsinnig warm werden, liegt hinter den Sitzen. So sind wir zu ausfahrbaren Lamellen hinter der Heckklappe gekommen. Wir haben das Saurierkamm genannt: Es gibt ja Tiere, die ihre Oberfläche vergrößern und ihrem Körper dadurch mehr Kühlung zuführen. Das haben wir auch gemacht, indem der e-tron bei höherer Geschwindigkeit diese Lamellen am Heck ausfährt.“ Und dass die abgasfreie, 313 PS starke Elektroflunder nicht nur bei Greenpeace Eindruck schindet, versteht sich bei Audi von selbst – Sielaffs Prototyp lässt einen über das Überholspurpotenzial des Autos
jedenfalls nicht im Unklaren.
Eher nicht drollig. Kann Konkurrent BMW da zurückstehen? Natürlich nicht. Der nächste Supersportwagen aus München wird einen kräftigen Verbrennungsmotor mit Elektroantrieb kombinieren, Gesamtleistung: nicht weit von 400 PS entfernt. Das Auto wird in zwei bis drei Jahren erwartet; wie es aussehen könnte, verrät inzwischen die Studie „Vision EfficientDynamics“. Auch hier sind Leichtbau und Aerodynamik die zentralen Motive. Ohne Bestwerte in diesen Bereichen lassen sich schon bald auch keine Sportwagen mehr verkaufen. Ohne Emotion allerdings auch nicht. Dem Muster, dass man einen BMW schon von Weitem als solchen erkennt, und dass er einen nicht drollig anblinzelt, wird man auch noch in Jahrzehnten treu bleiben. Die Studie deutet es bereits an.
Garage Wohnung. Einen radikalen Schritt, auch optisch, hat General Motors im Sinn. In Shanghai wurde eine Palette von Gefährten vorgestellt, die sich nur noch bedingt zur Gattung Auto zählen lassen. Und zwar bewusst: In Megacitys wie der chinesischen Metropole gehen dem klassischen Automobil gar nicht langsam, aber sicher Platz und Luft aus. Was aussieht wie eine Kreuzung von Telefonzelle und Segway, könnte wesentlich besser passen: Der EN-V ist maximal 45 km/h schnell, braucht kaum Platz, hat eine Reichweite von 40 Kilometern und ist dank Elektroantrieb frei von Abgasen. Wem es gefällt, der kann damit auch den Aufzug nehmen und das Vehikel in seiner Wohnung abstellen (und über die Steckdose aufladen). Ist urbane Mobilität dieses Zuschnitts wirklich abwegig? Oder sind eher unsere heutigen, geliebten Vehikel – stinkend, lärmend, immer im Weg – in der Zukunft fehl am Platz? You decide. Wer sonst?