Filmpreise für „Waldheims Walzer“ und „Murer“

Ruth Beckermann
Ruth BeckermannAPA (HANS PUNZ)

Beim Österreichischen Filmpreis siegten zwei Filme, die unangenehme Kapitel der Geschichte aufrollen.

Sie setzen sich beide kritisch mit unangenehmen Episoden aus Österreichs jüngerer Geschichte auseinander. Sie schildern, wie Antisemitismus und offene Wunden aus den NS-Jahren in der Nachkriegszeit nachwirkten. Und doch sind sie beide auf ganz unterschiedliche Art beklemmend: Die Gewinnerfilme des Österreichischen Filmpreises, der am Mittwochabend im Wiener Rathaus vergeben wurde. Zum besten Dokumentarfilm des letzten Jahres wählte die Akademie des Österreichischen Film, bestehend aus rund 500 heimischen Filmschaffenden, „Waldheims Walzer“, in dem Ruth Beckermann bewusst subjektiv die Affäre um den einstigen UN-Generalsekretär und späteren Bundespräsidenten aufrollt.

Christian Frosch nähert sich in „Murer – Anatomie eines Prozesses“ indessen nüchtern und protokollarisch dem Justizskandal um den „Schlächter von Wilna“, Franz Murer, der 1963 freigesprochen wurde. Das Werk wurde als bester Spielfilm ausgezeichnet (und Inge Maux, die die Zeugin Perl Akin spielt, als beste Nebendarstellerin). Schon im März war es bei der Diagonale in Graz mit dem Hauptpreis prämiert worden.

Laurence Rupp (Beste männliche Hauptrolle in Cops )
Laurence Rupp (Beste männliche Hauptrolle in Cops )APA (HANS PUNZ)

Kein klarer Abräumer

Ein klarer Abräumer war bei der von den Schauspielern Caroline Peters und Nicholas Ofczarek moderierten und von Regisseur Michael Sturminger inszenierten Gala nicht auszumachen. Drei Trophäen erhielt das Seerettung-Drama „Styx“ von Wolfgang Fischer (für Regie, Drehbuch, Schnitt). Auch der Polizeifilm „Cops“ über einen traumatisierten Wega-Beamten gewann drei Preise (bester Hauptdarsteller Laurence Rupp, bester Nebendarsteller Anton Noori, beste Tongestaltung); ebenso Markus Schleinzers Historienparabel „Angelo“ (für Kostümbild, Maske und Szenenbild).

In der Kategorie beste weibliche Hauptrolle war kurioserweise auch Birgit Minichmayr nominiert, die im Romy-Schneider-Film „3 Tage in Quiberon“ eigentlich eine Nebenrolle spielt, für die sie beim deutschen Filmpreis auch ausgezeichnet wurde. Gewonnen hat aber Ingrid Burkhard: Sie spielt in „Die Einsiedler“ eine Bergbäuerin in trister, nebeliger Umgebung. Klemens Hufnagl, der diese mit der Kamera einfing, bekam ebenso einen Preis. Katharina Mücksteins Drama „L'Animale“ gewann für seine Filmmusik, bester Kurzfilm wurde Bernhard Wengers skurriles Wellnesshotel-Stück „Entschuldigung, ich suche den Tischtennisraum und meine Freundin“. (kanu)

Ingrid Burkhard (Beste weibliche Hauptrolle in „Die Einsiedler“)
Ingrid Burkhard (Beste weibliche Hauptrolle in „Die Einsiedler“)APA (HANS PUNZ)

Die Gewinner auf einen Blick

BESTER SPIELFILM "Murer - Anatomie eines Prozesses" von Christian Frosch
BESTER DOKUMENTARFILM "Waldheims Walzer" von Ruth Beckermann
BESTER KURZFILM "Entschuldigung, ich suche den
Tischtennisraum und meine Freundin" von Bernhard Wenger
BESTE WEIBLICHE HAUPTROLLE Ingrid Burkhard in "Die Einsiedler"
BESTE MÄNNLICHE HAUPTROLLE Laurence Rupp in "Cops"
BESTE WEIBLICHE NEBENROLLE Inge Maux in "Murer - Anatomie eines
Prozesses"
BESTE MÄNNLICHE NEBENROLLE Anton Noori in "Cops"
BESTE REGIE Wolfgang Fischer für "Styx"
BESTES DREHBUCH Wolfgang Fischer und Ika Künzel für "Styx"
BESTE KAMERA Klemens Hufnagl für "Die Einsiedler"
BESTES KOSTÜMBILD Tanja Hausner für "Angelo"
BESTE MASKE Anette Keiser für "Angelo"
BESTE MUSIK Bernhard Fleischmann für "L'Animale"
BESTER SCHNITT Monika Willi für "Styx"
BESTES SZENENBILD Andreas Sobotka und Martin Reiter für "Angelo"
BESTE TONGESTALTUNG Claus Benischke-Lang, Sebastian Watzinger und Thomas Pötz für "Cops"