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Wie wir Fake News zum Schweigen bringen

(c) REUTERS (Joshua Roberts)
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Große Gruppen von Laien liegen mit ihrer Einschätzung von Medien ebenso gut wie professionelle Faktenchecker, zeigt eine Studie. Mit vereinten Kräften lassen sich Lügen aus dem Internet verdrängen.

Das würde euch so passen! So lautete die typische Reaktion auf einen Vorschlag, den Facebook vor einem Jahr machte: Die Nutzer sollten selbst bewerten, welchen der geposteten Meldungen sie Glauben schenken. Damit, fürchteten viele, würde sich das soziale Netzwerk aus der Verantwortung stehlen. Sie sollen dort gefälligst genug professionelle Faktenchecker einstellen, die Falschmeldungen erkennen und entfernen, damit nicht noch einmal eine US-Wahl von Fake News entschieden wird! Der Vorschlag wurde abgeschmettert. Aber nun zeigt eine US-Studie von David Rand und anderen MIT-Forschern: Im Prinzip war die Idee gut.

Was auch Experten durchaus überrascht. Hatten denn nicht andere Studien gezeigt, wie überfordert Laien damit sind, wahre von falschen Nachrichten zu unterscheiden? Sind sie nicht durch ihre politische Präferenz voreingenommen, glauben also das, was sie glauben wollen? Nun zeigt sich: Man kann den (US-)Bürgern durchaus mehr zutrauen. Wenn es darum geht, seriöse und unseriöse Medien auseinanderzuhalten, stimmt ihr Urteil mit jenem von professionellen Faktenprüfern überein. Zwar vertrauen Republikaner eher Fox News und Demokraten eher der „New York Times“. Aber die Anhänger beider Lager glauben solchen etablierten Mainstreammedien jedenfalls mehr als Fake-News-Seiten und Plattformen, deren Meldungen zwar nicht falsch, aber extrem parteiisch ausgewählt sind. Die Erkenntnis ist erfreulich, weil sie den Kampf gegen Fake News im Netz wesentlich erleichtern könnte. Faktenchecker hinken ja immer hinterher, weil es viel länger braucht, eine Lüge zu entlarven, als sie zu verbreiten. Was Prüfer nicht rechtzeitig löschen oder mit einer Warnung versehen, dem vertrauen Nutzer oft irrtümlich blind. Profis fällt es auch schwer, eine verzerrende Auswahl zu bewerten. Ein von der Schwarmintelligenz laufend aktualisiertes Rating ganzer Medien funktioniert da besser. Auf seiner Basis könnten dann die Algorithmen von Facebook, Twitter oder Google besonders schlecht bewertete Medien zurückstellen, damit sie von weniger Menschen gelesen werden.

Freilich hat auch dieser Ansatz seine Tücken. Facebook wollte seine User nur solche Medien bewerten lassen, die ihnen schon vertraut sind. Das aber verschlechtert die Ergebnisse, wie die MIT-Studie zeigt. Skepsis gegenüber unbekannten Quellen ist also im Prinzip gesund. Aber oft zu groß: Laien glauben etablierten Medien tendenziell zu stark. Umgekehrt hätten bei ihrem Rating neue, nicht bekannte Nachrichtenseiten keine Chance, auch wenn diese noch so sauber recherchieren. Wie lässt sich dieser Mangel beheben? Die Nutzer sollen ihnen nicht geläufige Medien vor der Bewertung anschauen müssen. Aber, und das ist der Clou: nicht eine einzelne Meldung, sondern eine größere Menge von Artikeln im Überblick.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2019)