Wie Telemedizin Renditen bringt

No1 Krasnodar Territory Clinical Hospital in Krasnodar, Russia
No1 Krasnodar Territory Clinical Hospital in Krasnodar, RussiaValery Matytsin/TASS
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Die voranschreitende Digitalisierung prägt zunehmend das weltweite Gesundheitswesen. Zahlreichen Wachstumsfirmen beschert das gute Aussichten.

Wien. Das Potenzial scheint unerschöpflich. Erst vor wenigen Jahren startete Österreichs elektronische Gesundheitsakte Elga – und wird bereits heuer um die E-Medikation erweitert. Das soll für mehr Sicherheit sorgen, wie es heißt. Ärzte, Apotheker, aber auch Spitäler bekommen damit volle Einsicht in den Medikamentenkonsum jener Patienten, die sich nicht aus dem System hinausoptiert haben. Auch die Gesundheitskosten sollen dadurch sinken und Befunde auf Papier überflüssig werden.

Tatsächlich prägt die Digitalisierung längst das weltweite Gesundheitswesen – mit durchaus positiven Folgen. Es entstünden dadurch auch neue Geschäftsmodelle und Märkte, erklärt Hendrik Lofruthe, Ko-Fondsmanager des Apo Digital Health Aktien-Fonds. Das Potenzial haben einige Branchenfonds nun erkannt.

Wie gehen sie dabei vor? Der Credit Suisse (Lux) Global Digital Health Equity Fund, der im Dezember 2017 lanciert wurde, setzt dazu auf drei Themen. Mit gut 40 Prozent entfällt das größte Thema auf Behandlungen, dieses wird mit Titeln etwa aus der Medizintechnik, der Biotechnologie, aber auch der personalisierten Medizin abgedeckt.

Chirurgische Robotik

Selbst die chirurgische Robotik zählt dazu. Der Mensch solle bei Operationen aber nicht ersetzt werden, beruhigt Stefan Lutz, Produktspezialist bei Credit Suisse Asset Management: „Der Roboter wird vermehrt bei Fernoperationen eingesetzt werden können. Der Mensch gibt aber stets das Kommando.“ Hochspezialisierte Ärzte könnten auf diese Weise auch Patienten an weit entfernten Standorten helfen.

Besonders oft kommen Da-Vinci-Roboter von Intuitive Surgical zum Einsatz, wobei der Arzt die Operation im Sitzen und mittels Teleskop viel präziser vornehmen kann. Auch kleinere Konkurrenten wie Mazor Robotics mischen kräftig mit, die Firma wurde aber im vierten Quartal 2018 von Medtronic übernommen.

Eine weitere Übernahme – immerhin schon die achte eines Titels aus dem Fonds – gab es Anfang Jänner 2019: Eli Lilly kaufte die US-Firma Loxo. Zwar sind Übernahmepotenziale kein Selektionskriterium. Die Entwicklung verdeutliche dennoch, dass es sich um erfolgreiche Wachstumsunternehmen handle, betont Lutz.

Solche sind auch in anderen Bereichen zu finden, etwa in jenem der Effizienz, der gut 35 Prozent des Fonds ausmacht. Hier kommt zum Beispiel die Digitalisierung von Krankenakten ins Spiel. Oder Teladoc Health Care aus den USA, ein Spezialist für Ferndiagnosen mittels Internet oder Telefon. „So soll die Zahl der Arztbesuche langfristig reduziert werden“, sieht Lutz klare Vorteile.

Die restlichen 25 Prozent des Fonds werden in den Bereich Forschung und Entwicklung investiert. Da geht es etwa um die Entwicklung neuer Gentherapien zur Behandlung von Krebskrankheiten. Auch die breit angelegte Datenanalyse wird abgedeckt, damit sollen klinische Studien effizienter erfasst und ausgewertet werden. Die notwendige Software entwickelt unter anderem Medidata Solutions aus den USA.

Hohe Eintrittsbarrieren

Regional setzt auch Stefan Blum, Fondsmanager des BB Adamant Digital Health Fund, den Schwerpunkt vor allem auf die USA. Omnicell betreibt zum Beispiel ein Medikamentenmanagement für Spitäler und Apotheken. Damit lasse sich die Arzneiausgabe effizienter gestalten, erklärt Blum. Die belgische Materialise wiederum verkauft 3-D-Drucker, die auch in der Medizin eingesetzt werden.

Rund die Hälfte der Firmen im Fonds sei allerdings noch nicht profitabel, räumt Blum ein. Dennoch müssten sie Sicherheit und klinischen Nutzen ihrer Produkte mit entsprechenden Studien belegen. Das schafft Eintrittsbarrieren, macht aber auch das Technologierisiko berechenbarer.

Dennoch können Aktien auch im Bereich der digitalen Gesundheit kräftig schwanken. Das sollten Anleger nicht unterschätzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2019)

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