Buben sind öfter in der Sonderschule

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Buben werden öfter als förderbedürftig eingestuft, genauso wie Migrantenkinder. Der Rechnungshof fordert eine Gesamtstrategie für Inklusion.

Wien. Knapp 31.000 Schülerinnen und Schüler haben österreichweit sonderpädagogischen Förderbedarf – die Mehrheit von ihnen sind Buben. Bei den Sonderschülern überrepräsentiert sind auch die Migrantenkinder. Das zeigt ein aktueller Bericht des Rechnungshofs, der am Freitag veröffentlicht wurde

Nur gut ein Drittel der Schüler mit Förderbedarf (36,6 Prozent) sind demnach Mädchen. Sie werden auch eher integrativ unterrichtet – also in einer regulären Klasse, in der sie noch zusätzliche Förderung bekommen – als die Buben. Der Rechnungshof fordert von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) nun, diese Kluft zwischen den Geschlechtern genau untersuchen und gegebenenfalls Maßnahmen dagegen zu setzen.

Auch, dass Kinder mit anderen Erstsprachen als Deutsch überrepräsentiert sind, zeigt der Rechnungshof einmal mehr: So haben knapp 29 Prozent der Pflichtschüler Migrationshintergrund – unter den Sonderschülern sind es 35,3 Prozent. Wie die Buben sind auch Migrantenkinder eher in Sonderschulen als in Integrationsklassen.
Insgesamt ist die Anzahl der Schüler mit Förderbedarf zwischen 2012 und 2016 um zwei Prozent gestiegen. Das sind rund fünf Prozent aller Pflichtschüler, wobei die Zahlen je nach Bundesland unterschiedlich sind. In Tirol sind es vier Prozent, in Kärnten sechs Prozent.

Der Rechnungshof fordert daher, dass die Verfahren, bei denen der Förderbedarf der Kinder eingeschätzt wird, verbessert werden. Es soll unter anderem überprüft werden, ob bereits alle anderen Fördermaßnahmen ausgeschöpft wurden und mehr Rücksicht auf die die Sprache genommen werden. Laut dem Bildungsressort ist eine Verbesserung bereits eingeleitet.

Spannungsfeld als Problem

Grundsätzlich hapere es in Österreich auch, was die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention angeht: Laut den Rechnungshofprüfern fehlt weiterhin eine Strategie für alle Bildungsbereiche – wie also vom Kindergarten bis zu Universitäten Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsames Lernen ermöglicht werden kann.

Eigentlich sollten bis 2020 sogenannte inklusive Modellregionen ohne Sonderschulen auf alle Bundesländer ausgeweitet werden – was sich laut dem Rechnungshof nur schwer ausgehen wird. Außerdem orten die Prüfer ohnedies ein „Spannungsfeld“ zwischen diesen Plänen und denen der türkis-blauen Koalition: Diese hat nämlich vorgesehen, dass die Sonderschulen sogar gestärkt werden.

Der Rechnungshof fordert daher, dass das Bildungsressort nach dem Abschluss der Modellregionen Schlüsse über die einzelnen Maßnahmen zieht und präzisiert, wie Inklusion im Bildungssystem aussehen soll. Insgesamt wurden in Österreich in dem geprüften Jahr 2015/16 zwei Drittel der Sonderschüler in Integrationsklassen unterrichtet. In Kärnten waren es 89 Prozent, in Tirol 52.