Ein Nullsummenspiel

Vom Nationalfeiertag bis Allerseelen sind jetzt Herbstferien.
Vom Nationalfeiertag bis Allerseelen sind jetzt Herbstferien.Hans Ringhofer / picturedesk.com

Jetzt ist es fix: Ab 2020 haben alle Schüler in Österreich Herbstferien. Dafür werden freie Tage im Frühling geopfert.

 

Seit Jahren sind die Herbstferien ein Streitthema zwischen Politikern, Eltern, Schülern und Experten. Soll es diese Ferien an allen Schulen in Österreich geben? Oder soll jede Schule selbst entscheiden dürfen, ob sie ihren Schülern die Tage zwischen 26. Oktober und 2. November freigibt? Probleme mit dieser Regelung haben vor allem Eltern, die Kinder an verschiedenen Schulen haben. Während das eine Kind die Tage zwischen Nationalfeiertag und Allerheiligen freihatte, musste das andere in die Schule gehen.
Ab dem nächsten Schuljahr wird es dieses Problem nicht mehr geben. Denn in dieser Woche hat Heinz Faßmann beschlossen, dass es künftig an allen Schulen in Österreich Herbstferien geben soll. Faßmann ist Unterrichtsminister.

Osterdienstag fällt weg. Mehr freie Tage wird es damit aber nicht geben. Denn für diese Herbstferien werden die Oster- und die Pfingstferien verkürzt. Bisher waren nämlich auch immer der Dienstag nach Ostern und der Dienstag nach Pfingsten frei. An diesen beiden Tagen wird es künftig Unterricht geben. Außerdem verlieren die Schulen zum Teil auch die sogenannten schulautonomen Tage. Schulautonom bedeutet, dass die Schule selbst entscheiden kann, an welchen Tagen sie ihren Schülern freigibt. Statt vier haben Volksschulen künftig nur noch zwei solche Tage. Nicht alle sind von der Einführung von Herbstferien begeistert. Kritiker sind der Ansicht, dass es nach neun Wochen Sommerferien durch diese Unterbrechung für Schüler schwerer wird, sich wieder an den Schulalltag zu gewöhnen. „Kaum haben sich die Kinder an die Schule gewöhnt, schon wird die Schulzeit wieder unterbrochen“, sagen die Kritiker. Absolut gegen Herbstferien sind auch Vertreter der Eltern.
Auch heimische Hoteliers sind unterschiedlicher Ansicht: Sie befürchten, dass viele Familien in der kalt-nassen Herbstzeit eher Fernreisen buchen, statt zu wandern oder in eine Therme zu fahren.
Leute, die die Einführung dieser Ferien gut finden, sehen diese Unterbrechung als Gelegenheit, „um nach einem stressigen Schulanfang wieder ein bisschen durchzuatmen“. Rund um das Thema Herbstferien wurde auch darüber diskutiert, die Sommerferien von neun auf acht Wochen zu verkürzen. Eine Idee, die Faßmann nicht gefällt. Ob ab jetzt nie mehr über die Dauer der Sommerferien diskutiert wird? Das ist damit nicht gesagt!

Wusstest du schon, dass . . .

. . . Kinder in Österreich im Schnitt 69 Tage Schulferien haben. Das ist weniger als der europäische Durchschnitt von 78 Tagen. Im Süden haben die Kinder länger frei, denn dort ist es sehr heiß. Bulgarische Kinder haben 102 Tage frei, tschechische nur 56.