Poker um Börserückzug von Constantia Packaging

Poker Boerserueckzug Constantia Packaging
Poker Boerserueckzug Constantia Packaging(c) APA (GEORG HOCHMUTH)
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US-Finanzinvestor „One Equity Partners“ will Streubesitz aus dem Unternehmen drängen. Mit dem Vergleich soll ein Streit in der Höhe von 512 Mio. Euro beigelegt werden.

Wien (höll). Kleinaktionäre des börsenotierten Verpackungskonzerns Constantia Packaging wetzen bereits die Messer. Der vielfach als Rebell bezeichnete Wertpapierexperte Andreas Proschofsky ließ am Freitag durchblicken, dass ihm das Übernahmeangebot des US-Finanzinvestors „One Equity Partners“ (OEP) von 38,67 Euro pro Aktie zu niedrig sei. Proschofsky hatte zuletzt wegen des Börserückzugs der Bank Austria juristische Schritte eingeleitet. Er und seine Mitstreiter fordern von UniCredit eine höhere Abfindung. Bei der Constantia Packaging muss Proschofsky mit Klagen aber noch ein wenig zuwarten. Der US-Investor OEP hatte zwar im vergangenen Herbst einen Kaufvertrag von über knapp 91 Prozent an dem Unternehmen unterzeichnet. Dieser wird aber erst nach Abschluss eines Generalvergleichs des bisherigen Haupteigentümers, der in Holland ansässigen Constantia Packaging BV (der Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac), mit Immofinanz, dem Investor Rudolf Fries und dem Nachfolger der Constantia Privatbank wirksam.

Mit dem Vergleich soll ein Streit in der Höhe von 512 Mio. Euro beigelegt werden. Das Geld ist unter der Leitung des früheren Immofinanz- und Bankchefs Karl Petrikovics verschwunden. Da bis zum 1. April keine Einigung zustande kam, hat OEP in der Vorwoche ein Übernahmeangebot für die Streubesitzaktionäre der Constantia Packaging in der Höhe von 38,67 Euro pro Aktie zurückgezogen.

Konzernchef Hanno Bästlein zeigte sich gestern bei der Bilanzpressekonferenz jedoch optimistisch, dass der Vergleich im zweiten Quartal 2010 zustande kommen wird: „Die Parteien sind sich über den Vergleich einig, es hängt noch an den Übertragungsmodalitäten.“ Danach soll auch die Übernahme der Constantia Packaging von OEP besiegelt werden. Bästlein geht davon aus, dass der US-Investor erneut versuchen wird, das Unternehmen von der Börse zu nehmen. Zu welchen Konditionen steht noch nicht fest. Bästlein vermutet, dass sich an den 38,67 Euro pro Aktie nichts ändern wird. Doch mit diesem Preis können sich rebellische Kleinaktionäre nicht anfreunden.

Wie es mit Constantia Packaging nach der Übernahme durch die Amerikaner weitergehen wird, ist unklar. Ob es Änderungen im Management geben wird, ließ Bästlein ebenfalls offen. Der Manager geht davon aus, dass der Finanzinvestor in einigen Jahren Teile des Konzerns gewinnbringend über die Börse verkaufen wird.

Keine Dividende vorgesehen

Im Vorjahr ist der Umsatz der Constantia Packaging von 2,08 Mrd. Euro auf 1,7 Mrd. Euro gesunken. Bästlein führt dies unter anderem auf Preisrückgänge bei Aluminium und Altpapier zurück. Das operative Ergebnis sank von 176,8 Mio. Euro auf 160,7 Mio. Euro. Der Nettogewinn blieb mit 75 Mio. Euro stabil. Wegen der volatilen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und zur Stärkung des Eigenkapitals schlägt der Vorstand vor, keine Dividende auszuschütten.

AUF EINEN BLICK

Der Gewinn des Verpackungskonzerns Constantia Packaging ist im Vorjahr gleich geblieben, der Umsatz ging jedoch um 18 Prozent zurück. Das Unternehmen soll an den US-Finanzinvestor OEP verkauft und von der Wiener Börse genommen werden. Wie es danach mit Constantia Packaging weitergehen wird, ist unklar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2010)

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