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Pop

Malcolm McLaren: Rock'n'Roll-Schwindler

RocknRollSchwindler
(c) AP
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Malcolm McLaren, Punk-Manager, Musiker und Provokateur, ist 64-jährig an Krebs gestorben. Er wird auf dem Londoner Friedhof Highgate beerdigt, wo auch Karl Marx liegt.

Malcolm McLaren, der nun in der Schweiz an einem besonders aggressiven Krebs gestorben ist, war einer der zwei Manager, die jedem an Pop Interessierten ein Begriff sind. Doch während Beatles-Manager Brian Epstein der gute Onkel war, gab McLaren den Zyniker, den Seelenverkäufer, den Mephisto.

„The Great Rock'n'Roll Swindle“ nannte er seinen größten Coup: Mit dem gleichnamigen, von Julian Temple inszenierten Film (1979) gelang es ihm, der Welt weiszumachen, dass er die Sex Pistols erfunden habe, um „a million pounds“ zu verdienen. Das wirkt bis heute: Schon liest man in eiligen Nachrufen, dass er der „Erfinder des Punk“ gewesen sei. Unsinn. Er hat die Sex Pistols wohl entdeckt, ermuntert, ihre revolutionären Posen zuzuspitzen (bis zur strategischen Beleidigung der Queen), aber Sänger John Lydon vulgo Johnny Rotten war nicht McLarens Kreatur, er hat nicht nur Wut, sondern auch Witz beigetragen.

Malcolm McLaren, in Nordlondon geboren, war wie so viele Köpfe des Pop in den Sechzigern ein Kunststudent, mit Vorliebe für den Aktionismus. Anfang der Siebziger eröffnete er mit Vivienne Westwood in der King's Road – die damals noch hip war – eine Boutique, die erst brav „Let It Rock“, dann schlimm „Sex“ hieß: Die Mode, die's dort gab, hatte Anklänge an S & M und Fetischismus und inspirierte den Kleidungsstil der britischen Punks: Ketten, Hundehalsbänder, bleiche Haut über zerrissenen Strapsen. So kleidete McLaren – der davor die US-Proto-Punk-Combo New York Dolls gemanagt hatte – „seine“ Sex Pistols ein und bestärkte sie, wenn sie lästerten, fluchten und spuckten.

So hat McLaren den Punk geprägt – und später konsequent demoralisiert. Und so war er, wenn schon, ein Vater der großen desillusionierten Stiefschwester des Punk: der New Wave. Zu dieser trug McLaren zumBeispiel die tatsächlich von ihm konstruierte Band Bow Wow Wow bei, die so klang wie ihr Albumtitel: „See Jungle! See Jungle! Go Join Your Gang, Yeah, City All Over! Go Ape Crazy!“ Also wild, spekulativ, fantastisch.

 

Früher Hiphop-Sympathisant

McLaren, der nichts mehr hasste als die Langeweile, sprang bald auf den nächsten Zug auf, propagierte schon 1982 Hiphop und das Scratchen als Collagetechnik („Buffalo Gals“). Später spielte er unter anderem mit Walzer („Waltz Darling“), Oper („Fans“), Chansons („Paris“), zuletzt mit Gameboy-Sounds. 2000 kündigte er an, fürs Amt des Londoner Bürgermeisters zu kandidieren, verhieß Legalisierung von Cannabis und Bordellen. Dann zog er sich zurück und empfahl, Ken Livingstone von Labour zu wählen.

„Er war vor allem ein Entertainer“, resümierte John Lydon böse, als er vom Tod erfuhr. Malcolm McLaren wird auf eigenen Wunsch auf dem Londoner Friedhof Highgate beerdigt, wo auch Karl Marx liegt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2010)