Die Wiener Künstlerin zeichnete eine bissige Serie nach dem missverstandenen Knigge-Buch „Über den Umgang mit Menschen“. Und lässt im MQ ein ziemlich menschliches Schwein seinen Weihnachtsspeck wegtrainieren.
Ein Pudel im Dirndl knickst vor einem Bären im Anzug, dabei hängt dem Hündchen ganz unfein die Zunge heraus. Die Situation kommt einem irgendwie bekannt vor. Ach ja, das Foto des Kneissl-Knicks vor Putin ging um die Welt. Und die Wiener Künstlerin Deborah Sengl fragte sich damals – woher kommt dieser Brauch eigentlich? Schauen wir doch einmal „im Knigge“ nach, wie man so schön sagt.
Sie sagte es nicht nur, sie tat es auch, und siehe da, „im Knigge“ war nichts dergleichen zu finden, „im Knigge“ stehen nämlich überhaupt keine derart brauchbaren Etiketteregeln. Dafür stieß Sengl auf einen Aufklärer und Quergeist, der „überall rausgeflogen ist, auch von den Geheimbünden wie den Illuminaten“, erzählt sie. Adolph Freiherr Knigge (1752–1796), ein verarmter deutscher Adeliger, schrieb in seinem 1788 erschienenen Buch „Über den Umgang mit Menschen“ seine soziologischen, sozialkritischen Beobachtungen auf. Erst in späteren, posthumen Auflagen wurde das Werk langsam zum Benimmbuch umgemünzt, eine Fehlinterpretation, die dem Autor selbst wohl schwer zuwider gewesen wäre, meint Sengl. Knigge wollte mit seinem Buch eher die damals erstarkenden Bürger unterstützen, sie vor der seiner Meinung nach falschen höfischen Gesellschaft warnen, ihnen ein Rüstzeug für den Umgang an den vielen damaligen Fürstenhöfen in Deutschland in die Hand geben. „Haltung“ sei sein Hauptwort gewesen, so Sengl. Aber nicht die körperliche, sondern die innere.