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Ski-WM-Eröffnung im ORF: Ein Protokoll der Langeweile

Die "Teddybears" steuerten den traditionell vernachlässigbaren WM-Song bei.
Die "Teddybears" steuerten den traditionell vernachlässigbaren WM-Song bei.APA/EXPA/JOHANN GRODER

TV-Notiz Ein Kommentator, der stumm zuhören muss, eine Live-Band mit verstimmten Instrumenten, eine Tanzshow mit Niveau Volkshochschule. Alles live in ORF eins.

In Österreich ist die Ski-WM natürlich ein Höhepunkt der TV-Sport-Saison. Dass das aber nicht gerade ein Ereignis von Welt-Format ist, zeigte sich bei der Eröffnung der WM in Åre. Eine Bühne, kaum größer als jene in heimischen Einkaufszentren, eine Tanzshow in Ski-Rennanzügen, die auch nur in genannten Shoppingtempeln als energievoll durchgehen würde, ein uninspirierter Moderator, reihenweise leere Sitze im Publikum, eine Liveband, der Finger und Instrumente abfroren. Und das alles live in ORF eins. Der Skisport-Fan stellt sich zwei Fragen: Warum ging es nicht um Skifahren bei der ganzen Sache? Und warum muss das auf ORF eins sein und nicht auf dem Spartenkanal? Das Protokoll einer unglaublich langweiligen Ski-WM-Eröffnung.

Es war ein Sammelsurium der Folklore, die Kommentator Peter Brunner entweder sprachlos (wenn schwedisch geprochen wurde) oder mit einstudierten Moderations-Übergängen begleitete, am Ende mussten es gar Abba-Zitate sein - eh klar, Schweden. Aber gut, besonders viel gab es nicht zu besprechen.

Der Countdown und das eingespielte "Herzklopfen" zu Beginn waren noch das Spannendste der Show. Dann versuchten "Emelie Öhman with Friends" mit einer Tanz-Choreografie der Marke "Volkshochschulkurs, Fortgeschritten" den Zuschauern auf dem Medal-Plaza in Ski-Renndressen einzuheizen. Der Titel der Einlage, von Kommentator Brunner mit dramatischer Stimme vorgetragen: "Inspire the World". Ironie, hofft man.

"Wow!", die Begeisterung von Bühnenmoderator Roberto Vacchi war dementsprechend hörbar ehrlich. Die Stimmung im Publikum blieb den Temperaturen angemessen. Im vorderen Bereich waren etliche Reihen leer. Während Vacchi auf Schwedisch begrüßte, nahm die Folkrockband "Hoven Droven" für die Live-Musik Stellung. Brunner sprach von "jungen Damen und Herren". Der weiße Rauschebart des Gitarristen sprach eine andere Sprache.

Unter dem instrumentalen Geplänkel mit Erstkommunion-Feeling marschierten Fahnenträger aller teilnehmenden Länder ein. Kinder, keine Athleten. Der Saxophonist der Band (ohne Handschuhe) mühte sich, sein temperaturanfällliges Instrument auf Temperatur und Stimmung (also richtige Töne, nicht Enthusiasmus) zu halten. Alles live, das muss auch gelobt werden.

Stimmung? Fehlanzeige. Alphabetisch betete Vacchi die Nationen herunter. Selbst der Jubel, als er "Schweden" in die Menge rief, war endenwollend. Die von einem Laien-Chor dargebrachte schwedische Hymne im Anschluss - begleitet erneut vom Gedudel von "Hoven Droven" - hob die Stimmung nicht. Schwungvoll war einzig und allein die FIS-Fanfare aus der Konserve. Ein kurzer Moment der Erinnerung, ahja, es geht ja um Skirennen.

Und dann, ja dann kamen die Reden. Der Chef des Organisationskomitees, eine erstaunlich jung wirkende schwedische Sportministerin, ein vielsprachiger FIS-Präsident. Der dramaturgische Höhepunkt: "I have the honor and the pleasure on behalf of the International Ski Federation to declare officially the Alpine World Ski Championships 2019 in Åre Sweden officially open. Good Luck".

Dann schlug wieder die Stunde von Bühnenmoderator Vacchi. Zu Gast auf der Bühne Anja Pärson, die 2007 in Åre drei Goldmedaillen gewonnen hat. "Was sagen Sie zur WM in Åre?", "Auf was freuen Sie sich am meisten?"

Song-Contest-Material aus dem Jahr 1999

Der offizielle WM-Song wurde von den "Teddybears" mit dem Titel "Young, Handsome and Fast" zum besten gegeben. Song-Contest-Material aus dem Jahr 1999. Die Instrumentalisten (in dem Fall war die Musik aber wieder vom Playback-Band) trugen große Bärenköpfe. Der Text: zum Fremdschämen für ein Sport-Event. "We are the future and you're from the past" - ganz zu schweigen vom Titel des Liedes.

Dann wieder Interviews. Die einzigen aktiven Sportler, die den ganzen Abend über ins Bild kamen. Zu Aksel Lund Svindal, dem norwegischen Skistar, der nach der WM zurücktreten wird: "You're done, are you?" Zu Lindsey Vonn, US-Skistar, ebenfalls vor dem Rücktritt: "82 Worldcup Victories, that's crazy! What do you say about that?" Vonn schließlich "It's over", der Moderator verzweifelt, den Eröffnungs-Spirit wiederherzustellen: "This is just the beginning".

Und der Abschluss des Events? Peter Brunner versucht, es spannend wirken zu lassen: "Vor tausend Jahren wurde also auf Hörnern der erste Ton hier in Åre geblasen und jetzt gibt's noch mit allen Stars, auch mit dem Rapper Petter hier einen kleinen Einblick davon." Spoiler-Alert, man hat nichts verpasst.

>> Die Ski-WM-Eröffnung in Åre in der ORF TVTHEK