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Archäologie: König Tuts Gehhilfen

Archaeologie Koenig Tuts Gehhilfen
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Eine Analyse des Schuhwerks des fußkranken Pharaos zeigt Anklänge an Orthopädie. Der junge Pharao hatte links einen Klumpfuß und rechts einen Plattfuß.

Auch zum Gehen war Tutanchamun gut ausgestattet in seiner Gruft, 81 Paar Schuhe bzw. Sandalen haben sie ihm mitgegeben. Dabei konnte er kaum gehen. Das zeigen auf den ersten Blick seine verkrüppelten Füße, deren Deformationen nicht von der Mumifizierung kommen; das zeigen in der tieferen Computertomografie seine Knochen, der junge Pharao hatte links einen Klumpfuß und rechts einen Plattfuß, vermutlich litt er an der seltenen Knochenkrankheit Köhler 2.

Und das zeigt nun, von der anderen Seite her, André Veldmeijer (PalArch Foundation, Amsterdam). Er hat Tuts Schuhwerk durchgemustert: „Von der Form her sind seine Schuhe und Sandalen nichts Besonderes, sie folgen den Mustern, die schon im Alten Reich entwickelt wurden“, berichtet der Archäologe der „Presse“: „Aber in der Machart sind sie feiner, und viele sind aufwendig mit Gold oder Edelsteinen verziert.“

 

Streifen über die Zehen

Mit denen ist er nie gegangen – Tuts berühmtestes Paar, das vergoldete, zeigt keinerlei Tragespuren –, „aber wenn er auf seinem Thron saß, hätte er sie überstreifen können.“ Andere trug er, vor allem Sandalen – aus Palmblättern, Papyrus und Gras, daraus waren alle Sandalen in Ägypten, aber die von Tut hatten ein Material bester Qualität –, und drei hatten eine Besonderheit, die Veldmeijer noch nie vor Augen gekommen ist, obwohl er schon das Schuhwerk vieler Dynastien durchstudiert hat: „Sie haben einen zusätzlichen Streifen, der über die Zehen geht, ganz eng. Das sieht man sonst nie, es könnte dazu gedient haben, das Problem seiner deformierten Füße zu lösen.“ – Orthopädie? „Das klingt etwas zu stark, dabei wird ja ein Schuh völlig geändert, um an einen deformierten Fuß zu passen. Aber es mag eine Lösung für seine Füße gewesen sein.“ Der Forscher will es testen, er baut ein Paar dieser Sandalen nach. Mit einem Modell von Tuts Füßen soll ein US-Spezialist helfen. (Alle Details finden sich in Veldmeijers Buch „Tutankhamun's Footwear“.)

Ein Problem bleibt, Tuts Schuhe gibt es in zwei Größen. Manche sind 22 Zentimeter lang, andere 30, nichts dazwischen. Es können also nicht alle Schuhe seines Lebens gewesen sein. „Entweder wurden manche von Grabräubern gestohlen oder kamen nicht ins Grab“, erklärt Veldmeijer. „Aber es gibt noch eine Möglichkeit: In manchen Kulturen schenken Menschen kranken Verwandten und Freunden Schuhe. Vielleicht hat er die kleineren so bekommen. Aber wir wissen nicht, ob es in Ägypten diesen Brauch gab.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.04.2010)