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Baut Coop Himmelb(l)au auf der Krim?

Chefarchitekt Wolf D. Prix.
Chefarchitekt Wolf D. Prix.(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Mutmaßliche Wiener Entwürfe für ein Kulturprojekt des Kreml könnten gegen EU-Sanktionen verstoßen.

Sewastopol im Süden der Krim weckte bisher militärische Assoziationen, als Austragungsort blutiger Schlachten im Zweiten Weltkrieg und als traditioneller Marinestützpunkt. Nun soll die Stadt auf Wunsch des russischen Präsidenten, Wladimir Putin, auch zum Kulturzentrum werden. Putin gab im Vorjahr ein weiträumiges Kulturareal an der zentralen Stadtbucht in Auftrag, dessen Herzstück eine Oper mit 1300 Sitzplätzen ist. Weiters geplant: Museen, Schulen, Wohnheime. Wie die APA berichtete, hat den Entwurf für das Prestigeprojekt Lokalbehörden zufolge das österreichische Architekturbüro Coop Himmelb(l)au gestaltet. Die Planer könnten dadurch in Konflikt mit den EU-Sanktionen geraten.

Chefarchitekt Wolf D. Prix dementierte in einer ersten Reaktion das Vorhaben in Sewastopol. Er erklärte aber nicht, wie die Entwürfe nach Sewastopol gelangen konnten. Für die „Presse“ war er am Dienstag laut Auskunft seiner Assistentin „nicht erreichbar“.

Prix' Dementi scheint freilich fragwürdig: Im Internet zirkulieren Entwürfe mit dem Logo des Architekturbüros. Ein dreidimensionales Modell der Oper zeigt ein weißes Dach, geschwungen wie die Flügel einer Möwe, getragen von einer zarten Stahlkonstruktion. Auf der Onlineseite des russischen Staatssenders RT erschien ein euphorischer Artikel über die Pläne von Coop Himmelb(l)au. Und schließlich betrachtete auch der russische Präsident die Modelle. Einen „kulturellen Durchbruch“ nannte Olga Golodez, Vizepremierministerin und Vorsitzende des Bauträgers, der Stiftung Nationales Kulturerbe, die Pläne bei der Präsentation vor Putin Anfang Jänner.

 

Putin will Besitzanspruch festigen

Ein Engagement wäre für Coop Himmelb(l)au aus mehreren Gründen problematisch. Vor knapp fünf Jahren hat der Kreml die ukrainische Halbinsel völkerrechtswidrig annektiert. Staatliche Bauprojekte wie die umstrittene Krimbrücke oder eben der Kulturcluster dienen immer auch dazu, den Besitzanspruch des Kreml zu festigen. Die Causa ist nicht ohne Ironie: Vor Ort regt sich Widerstand gegen das „futuristische“ Design.

Mit einem Engagement auf der Krim könnte das Architekturbüro auch konkret gegen die EU-Sanktionen verstoßen. Seit 30. Juli 2018 wird die Gesellschaft Stroygazmontazh, die an der Errichtung der Krimbrücke beteiligt war, auf der Sanktionsliste geführt. Stroygazmontazh, im Besitz des mit Putin befreundeten Arkadi Rotenberg, ist Hauptauftragnehmer des Fonds Nationales Kulturerbe. Der Firma dürfen von europäischer Seite keine materiellen oder immateriellen Ressourcen zu Verfügung gestellt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2019)