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Gian Franco Kasper - Weltmeister der Fettnäpfchentreter

Warum Sportfunktionäre dringend ein fixes Alterslimit brauchen, lebt FIS-Chef Gian Franco Kasper eloquent vor.

Gian Franco Kasper ist seit 1998 Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS und seitdem unaufhaltsam auf der Jagd nach ausnahmslos jedem Fettnäpfchen. Markante Sprüche pflastern den Weg des Engadiners, der 75-Jährige ließ sich also auch bei der Ski-WM in Åre nicht wirklich lange bitten.

Das IOC-Ehrenmitglied sieht die Zukunft Olympischer Spiele vorrangig in Diktaturen. Das gab er unumwunden zu Protokoll. Dort seien Volksbefragungen und Geldsorgen fremd. Kasper sagte dem „Tages-Anzeiger“ ungeniert: „Es geht um den Sport. Wo er stattfindet, ist in gewisser Weise sekundär.“ Seine obskuren Ansichten erneuern einmal mehr Forderungen, wonach es ein zwingendes Alterslimit für Funktionäre geben sollte, damit ihre Amtszeit und die Geduld aller anderen nicht überstrapaziert wird.

Dass ein Sportfunktionär freiwillig in Diktaturen drängt, um dort hochpreisig seine Events anzubieten, ist allerdings nichts Neues. Warum sonst konnte sich der scheinheilig angeprangerte Gigantismus weiter ausbreiten, finden Winterspiele in Nationen, die weder Naturschnee noch ausreichend hohe Berglandschaften haben, statt? Die Vergabe von Großereignissen ist längst nicht mehr nur ein Politikum, sondern ein schamloser, milliardenschwerer Business-Deal.

Kasper weiß das, daher diktiert ihm sein Geschäftssinn, dass Nationen wie die Schweiz oder Österreich für Winterspiele ungeeignet sind. Der Widerstand ist zu groß, die Bedenken zu schwerwiegend. Er legt sogar nach: In Diktaturen müsse man sich ja auch nicht mit Umweltschützern plagen.

Manchmal kann das zu weit vorangeschrittene Alter eines Funktionärs durchaus auch in den eigenen Reihen Unwohlsein bereiten. Kaspers Aussagen sind für seine Kollegenschaft im IOC und FIS entlarvend. Er plappert munter aus, was sich andere verbeißen. All das ist aber unter Garantie mehrfach intern besprochen worden.

Glaubt man, freilich mutwillig, gestreute Gerüchte, erhielt Seefeld den Zuschlag für die Nordische WM nicht ob der Infrastruktur bzw. hohen Dichte an Luxushotels, sondern wegen des Versprechens, dass im FIS-Hotel eine Après-Ski-Bar warte. Kasper wird auch dort sein Misstrauen zur Erderwärmung erneuern. Nur in einem Punkt lässt sich der Veteran nicht beirren: Winterspiele oder Ski-WM in Katar, nein. Das gehe dann doch zu weit.

Vielleicht überlegt es sich Kasper bei der Fußball-WM 2022 in klimatisierten Stadien aber noch einmal. Es wäre keinesfalls absurd – seine Amtszeit als FIS-Chef wurde erst verlängert. Das sagt in Wahrheit alles über Reformen, Fortschritt oder reales Bewusstsein dieser Klientel aus. Kasper kann also fortan seine Weltansichten getrost für sich behalten.

E-Mails an: markku.datler@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2019)