Es muss sicher sein, dass wie üblich ausländische Produkte importiert und britische Produkte exportiert werden können, lässt die Regierung in London verlauten.
Als Vorkehrung gegen einen drohenden Zusammenbruch der Lieferketten im Falle eines ungeordneten Brexit will Großbritannien Lkw aus der EU ohne zusätzliche Genehmigung ins Land lassen. "Das Vereinigte Königreich muss sicher sein, dass wie üblich ausländische Produkte importiert und britische Produkte exportiert werden können", heißt es in einer am Dienstag verbreiteten Erklärung der Regierung.
Auf eine Genehmigung für die Lkw zu verzichten, würde eine Fortsetzung des internationalen Güterverkehrs gewährleisten und dazu beitragen, für britische Transportunternehmen entsprechende Zusagen zu bekommen.
Sollten die Briten ohne Abkommen aus der EU austreten, kann es in vielen Bereichen zu einem chaotischen Übergang kommen. Die britische Wirtschaft und in der Folge die Konsumenten würden besonders in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier ein Überblick: imago/ZUMA Press
Die Bank von England rechnet mit einem Absturz des britischen Pfundes bei einem Brexit ohne Abkommen. Es würde demnach um 25 Prozent an Wert verlieren. (c) REUTERS (Leonhard Foeger)
Auch der Immobilienmarkt würde schwer getroffen. Die Zentralbanker gehen von einem Fall der Hauspreise um 30 Prozent aus. (c) REUTERS (Toby Melville)
Die britische Exportwirtschaft würde nach Einschätzung des Kreditversicherers Euler Hermes im ersten Jahr Ausfuhren im Wert von 30 Milliarden Pfund verlieren. Auch die Kontinentaleuropäer würden wegen der engen Wirtschaftsbeziehungen getroffen. Für die deutschen Exporteure steht dabei laut Euler Hermes nach einem Chaos-Brexit mit Exporten in Höhe von acht Milliarden Euro am meisten auf dem Spiel. (c) REUTERS (Peter Nicholls)
Britische Unternehmen "horten" schon jetzt Importware, die sie für ihre Produktion dringend benötigen. Laut Euler Hermes gibt es "Hamsterkäufe wie nach einer Sturmwarnung". Inzwischen sind in Großbritannien aber kaum mehr Lagerflächen zu bekommen, da sich auch Supermärkte und Pharmakonzerne auf Versorgungsengpässe vorbereiten und Lebensmittel und Medikamente auf Vorrat kaufen. (c) REUTERS (Jonathan Evans)
Alle Waren und Personen müssen vor dem Überschreiten der EU-Grenzen wieder kontrolliert werden. Zollbehörden werden zusätzliche Beamte einstellen müssen. Um wenigstens im Reiseverkehr das Schlimmste zu verhindern, will die EU-Kommission Briten "Visa-freies Reisen" bis zu 90 Tagen ermöglichen - falls London dies umgekehrt "allen EU-Bürgern gewährt". (c) REUTERS (Toby Melville)
Die nach dem Austritt aus der EU nötige Zollabfertigung von Warenlieferungen stellt Häfen vor große Probleme. Die Grenzformalitäten könnten für lange Warteschlangen von Lastwagen sorgen. Im Hafen von Dover dauert die Lkw-Abfertigung derzeit zwei Minuten. Nur zwei Minuten mehr würden Staus von 27 Kilometern verursachen, warnt der Betreiber. (c) REUTERS (Neil Hall)
Bei einem No-Deal-Brexit würden viele Airlines ihre Lizenzen verlieren, um von und nach Großbritannien zu fliegen. Die britische Regierung will europäischen Airlines deshalb vorübergehend Sondergenehmigungen ausstellen, sofern britische Fluggesellschaften diese auch von der EU bekommen. Auch für die EU-Kommission gehört der Luftverkehr zu den "vorrangigen Bereichen" für Notfallmaßnahmen. (c) Reuters (Eddie Keogh)
Die Autoindustrie arbeitet heute quasi ohne Lagerhaltung. Zulieferer stellen Teile "just in time" bereit, die direkt nach Ankunft verarbeitet werden. Mit Wartezeiten wegen der Zollabfertigung wird dies kaum möglich sein, wie der europäische Autoherstellerverband Acea warnt. Unternehmen arbeiten deshalb an Notfallplänen. BMW kündigte bereits an, die jährliche Routine-Schließung seines britischen Werks für den Mini zu Wartungszwecken direkt auf die Zeit nach dem Brexit zu verlegen. (c) REUTERS (POOL New)
Bei hartem Brexit drohen leere Regale und lange Schlangen
Der Lkw-Warenverkehr zwischen Großbritannien und Europa hat ein Volumen von jährlich etwa 480 Milliarden Euro. Mehr als 80 Prozent davon wird mit Lastern aus der EU abgewickelt. Großbritannien plant, Ende März aus der Staatengemeinschaft auszuscheiden. Über die konkreten Bedingungen wird nach wie vor gestritten. Unklar ist darum auch, welche Bedingungen künftig beim Handel gelten. Die Speditionsbranche hat vor der Einführung von Zollkontrollen an großen Häfen wie Dover gewarnt, weil das allein wegen der zu befürchtenden Staus zu Störungen der Versorgungsketten führen dürfte.