Sorge um Leistbarkeit des Wohnens für nächste Generation wächst

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APA/HELMUT FOHRINGER

Obwohl 90 Prozent derzeit laut einer Umfrage mit der eigenen Wohnsituation zufrieden sind, wird die Finanzierbarkeit von Wohnraum als deutliches Manko beurteilt. Die gemeinnützigen Bauvereinigungen bekommen einen höheren Stellenwert.

Etwa 90 Prozent der Österreicher sind mit ihrer eigenen derzeitigen Wohnsituation zufrieden. Hingegen äußern sich immerhin fast 40 Prozent zum Wohnungswesen insgesamt kritisch und urteilen mit mäßig bis nicht zufriedenstellend. Das geht aus Umfrage hervor, für die im Dezember 1000 Österreicher repräsentativ befragt wurden. Es wachse die Sorge, ob leistbares Wohnen auch für die nächste Generation möglich sein werde.

"Bei den Herausforderungen für die Zukunft geht es um die Sicherstellung von kostengünstigem Wohnraum und von leistbaren Wohnungen", brachte Studienleiterin Gabriele Reithner vom Gallup-Institut die Ergebnisse auf den Punkt. "Als deutliches Manko wird die Finanzierbarkeit von Wohnraum angesehen." Eine Hoffnung für die Wohnungsuchenden ist der Umfrage zufolge der gemeinnützige Wohnbau - "70 Prozent sind der Ansicht, dass dessen Bedeutung in Zukunft noch zunehmen wird", so Reithner.

Für diejeingen, die eine Wohnung suchen, sei der Druck enorm hoch, attestierte der Obmann des Österreichischen Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), Karl Wurm. "Es ist gar nicht leicht, eine günstige Wohnung zu finden", betonte er.  Verantwortlich dafür seien auch die hohen Regularien der Kreditinstitute. Vielen Jüngeren sei es seit der Finanzkrise nicht mehr möglich, Eigentum zu schaffen, ergänzte Wurm.

Günstige Grundstücke gesucht

Die Entwicklung in Deutschland sollte Warnung genug sein. "Wenn sie nach Deutschland schauen, da tickt die Diskussion über leistbares Wohnen ganz anders, da wird zum Beispiel politisch diskutiert, Bestände von Vonovia (Deutschlands größtem Wohnungskonzern, Anm.) zu enteignen", berichtete der GBV-Obmann.

Die gemeinnützigen Bauträger bräuchten dringend günstigere Grundstücke, um auch weiterhin leistbaren Wohnraum schaffen zu können. "Die Wiener Bauordnung ist so ein Beispiel - in Tirol und Salzburg werden ähnliche Dinge diskutiert", so Wurm. Einfach nur mehr zu bauen, sei zu wenig. Als ordnungspolitischer Eingriff wichtig sei auch die Lenkung der Wohnbauförderung, "dass mit der Gießkanne aufgehört wird - das passiert jetzt eh". Weiters sollten Wohnungen nicht für Online-Kurzzeitvermietungen wie etwa über Airbnb verwendet werden dürfen. Das treibt die Mietpreise ebenfalls nach oben.

Abschaffung der Mehrwertsteuer riskant

Vor einer Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Wohnen, wie von der SPÖ gefordert, warnte Wurm, eventuell 'kauf' ich mir den Wegfall des Vorsteuerabzugs". Die gemeinnützigen Bauträger hätten derzeit einen Vorsteuerabzug, die Mehrwertsteuer bezieht sich auf die monatliche Miete. Werde diese gestrichen, erhöhen sich die Baukosten um 20 Prozent.

Österreichweit stehen derzeit den Angaben zufolge rund 615.000 gemeinnützige Mietwohnungen zur Verfügung, etwa 205.000 davon entfallen auf Wien. Die Bestandsmieten bei den Gemeinnützigen liegen bei 6 bis 6,50 Euro pro Quadratmeter und Monat inklusive Betriebskosten. Im Vergleich dazu waren 2017 im Gemeindebau im
bundesweiten Schnitt 6,40 Euro zu bezahlen, am freien Markt 8,30
Euro.

Während die unbefristeten Mietverträge den Gemeinützigen als das größte Plus attestiert werden, stößt hingegen die mangelnde Transparenz bei der Vergabe der günstigen Wohnungen auf Kritik. Dabei sind ganz allgemein der Wohnungsbedarf und die sozialen Gegebenheiten zu berücksichtigen. "Jede Gemeinnützige hat diese Vorgaben, aber es ist subjektiv", räumte Wurm ein: "Wenn du einen Versorgungsfall wie etwa eine plötzlich alleinstehende Frau mit Kindern hast und jemanden, der schon lange auf der Liste steht, - wem gibst du die Wohnung?"

 

 

(APA)