Schramböcks Lobeshymne: „Wir wollen von den Besten lernen“

Margarete Schramböck schaute sich in Israels in der Start-up-Szene um.
Margarete Schramböck schaute sich in Israels in der Start-up-Szene um.APA/ROBERT JAEGER
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Bundespräsident Van der Bellen und Wirtschaftsministerin Schramböck schnupperten in die Welt der israelischen Start-up-Szene hinein und zeigten sich inspiriert. Schramböck will ihre Digitalisierungsstrategie „Digital Austria“ forcieren und den Klub der „Digital Nine“ erweitern.

Tel Aviv. Erel Margalit ist ein Tausendsassa. Der 58-jährige Finanzinvestor, Firmengründer von Jerusalem Venture Partners (JVP), mit dem Löwen im Logo, ist per Videobotschaft aus New York zugeschaltet, wo er gerade eine neue Zentrale eröffnet. „Wir würden gerne mit Österreich ins Geschäft kommen.“

Die Worte des studierten Philosophen und Ex-Politikers sind an Alexander Van der Bellen und die österreichische Delegation gerichtet, die sich im JVP-Hauptquartier im weißen Bauhaus-Stil in Jerusalem über Kooperationsmöglichkeiten mit JVP-Partnern informiert und mit Staunen vorgeführt bekommt, wozu israelische Start-ups fähig sind: die Überwachung des Schlafs von Babys per App, Datenverwertung und Onlinebestellung aller Art bis hin zur 50-prozentigen Reduktion von Zucker in Lebensmitteln, per Fingerdruck ins Haus geliefert – ein Löffel Nutella gibt einen Geschmack davon.

„Nation der Innovation“

Nicht zuletzt ist Israel in puncto Cybersicherheit Weltführer, wovon sich der Bundespräsident und Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck bei ihrer Israel-Reise überzeugten. Die Ministerin und Ex-Managerin erklärt sich dies unter anderem mit dem dreijährigen Militärdienst, der die Technikaffinität und die Gründung von Start-up-Unternehmen fördert. Israel rühmt sich in Konkurrenz zu Silicon Valley der höchsten Start-up-Dichte der Welt.

Bei der Eröffnung des österreichisch-israelischen Wirtschaftsforums in Tel Aviv sprach denn auch der Stolz aus Wirtschaftsminister Eli Cohen. „Israel, die Nation der Innovation“, so leitete er seine Rede ein. Schramböck stimmte ins Loblied mit ein: „Wir wollen von den Besten lernen.“ In Sachen Cyber-Security hätten die österreichischen Unternehmen Aufholbedarf. Immerhin, so fügte sie hinzu, liege Österreich im EU-Vergleich im Bereich Innovation an zweiter Stelle. Das sei indessen ausbaufähig – wie die Wirtschaftsbeziehungen, wie beide Seiten betonten.

Im Jahr 2017 beliefen sich Österreichs Exporte nach Israel auf rund 400 Millionen Euro, Österreich erwirtschaftete ein sattes Plus in der Handelsbilanz. Als Wachstumsbranchen bezeichnete die Wirtschaftsministerin die Bauinfrastruktur, die Energie- und Umwelttechnologie sowie den Tourismus. So hat die Vorarlberger Weltfirma Doppelmayr in Haifa den Zuschlag für ein Seilbahnprojekt bekommen. Als wichtigsten Import deklarierte Eli Cohen im Übrigen – und im Scherz – Andreas Herzog, den Teamchef des israelischen Fußball-Nationalteams, derzeit ein positiver Imagefaktor. In Tel Aviv unterzeichneten die Wirtschaftsminister ein Memorandum zur Kooperation in der Kreativwirtschaft.

Margarete Schramböck liegt derweil die Digitalisierung am Herzen. Bei ihrem ersten Besuch in Israel hat die Wirtschaftsministerin in Jerusalem das Start-up Mobileye besichtigt, das Intel erst kürzlich für 15 Milliarden Dollar erworben hat und das die digitale Revolution in der Autoindustrie anzeigt.

All dies ist Vorbild für ihre Digitalisierungsstrategie „Digital Austria“, die sie forciert. Ihr Ehrgeiz besteht darin, zu den „Digital Nine“ zu stoßen – neben Israel oder Estland.

Auch Alexander Van der Bellen, der frühere Volkswirtschaftsprofessor, zeigte sich inspiriert und zitierte die israelische Businessmentalität von Margalit & Co.: „Wir sehen nicht die Schwierigkeiten, sondern die Möglichkeiten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2019)

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