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Slow Fashion: Mode ohne Ablaufdatum

Slow Fashion Mode ohne
Cloed Baumgartner(c) Clemens Fabry
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Biologisch, nachhaltig, schön (und) langsam: Slow Fashion, das sprachliche Pendant zur Slow-Food-Bewegung, hebt den hektischen Kollektionsrhythmus auf.

Öko. Bio. Grün. Fair. Und jetzt auch noch „slow“. Der Trend in Richtung Natur trägt viele Namen und hat auch das Modesegment längst erfasst. Ökomode, wie sie früher – Birkenstockbeigeschmack inklusive – hieß, gibt es schon länger, doch jetzt drängt es aus dem Jute-Eck unter neuem Namen: Slow Fashion, eben. Das erinnert ein wenig an das kulinarische Pendant, die Slow-Food-Bewegung.

Ganz unbeabsichtigt ist das nicht, immerhin gibt es Parallelen zur kulinarischen Bewegung, die sich für gut, sauber und fair produzierte Lebensmittel starkmacht. Die Slow-Fashionistas (die Vorreiter sind hier meist Frauen) wünschen sich, dass nachhaltige Biomode genauso selbstverständlich wird, wie die Bioeier im Supermarkt. Und deshalb tut sich auch in Wien einiges. So hat der Modepalast, die Messe für junge, heimische Mode, heuer einen Grünschwerpunkt ausgerufen. „Wir hatten schon immer ein nachhaltiges Konzept. Die Labels, die hier vertreten sind, sind kleine Labels, die lokal produzieren und vertreiben. Der Schwerpunkt ist also eine Ergänzung und Verstärkung dessen“, erklärt Jasmin Ladenhaufen, die gemeinsam mit Cloed Baumgartner für die Verkaufsausstellung verantwortlich ist.

Heuer werden sich ab 23.April rund 130 Labels erstmals im MAK präsentieren. Der Slow Fashion Award wird hingegen bereits zum dritten Mal vergeben, allerdings erstmals im Rahmen des Modepalasts. „In den ersten beiden Jahren war das wirklich nur eine Thema für Insider, jetzt gibt es kaum eine Messe, die keine Green Area hat“, sagt Lisa Niedermayr, die gemeinsam mit Barbara Irma Denk die Agentur Slow Fashion betreibt und Designer bei Fragen der Nachhaltigkeit unterstützt. Ein Blick ins Ausland macht das deutlich. So gab es beispielsweise Anfang des Jahres bei der Fashion Week in Berlin mit „thekey.to“ eine eigene Messe für grüne, nachhaltige Mode. Die Fachmesse Premium baute die bereits seit zwei Jahren existierende Green Lifestyle Area aus. Und der Green Showroom fand im noblen Hotel Adlon direkt am Brandenburger Tor statt. Ein deutliches Zeichen.


Vom Sockenkleid zur Holzfaser. Doch zurück nach Wien. Wer steht hinter der neuen langsamen Mode? Und wie gehen die Designer an das große Thema heran? Die Zugänge unterscheiden sich bereits durch die Definitionen. Während die einen auf Recycling, also auf das „Aus Alt mach Neu“-Prinzip setzen, konzentrieren sich die anderen auf faire Arbeitsbedingungen im Biobaumwollanbau. Wieder andere setzen lieber auf heimische Materialien, wie Hanf, Leinen, Brennnessel oder den neuesten Schrei: Tencel genauer gesagt Lyocellfaser aus Holz. In die erste Kategorie der Recyclingmode fällt etwa das Label Steinwidder. Designerin Anita Steinwidder verarbeitet bei ihrer „remade fashion“, wie sie es nennt, beispielsweise Socken und andere Strumpfwaren zu Kleidern.

Cloed Baumgartner, die hinter dem Label Milch steht, nennt ihre Mode „eco fashion“ und verwendet alte Herrenanzüge als Ausgangsmaterial. Sie ist überzeugt: „In der Community herrscht großer Aufbruch. Man tauscht sich aus, wo man nachhaltige Textilien bekommt. Es wird immer einfacher umzusteigen, auch aus finanzieller Sicht.“ Baumgartner verweist auf eine Umfrage unter den Modepalast-Designern: Demnach verwenden bereits 15Prozent der Teilnehmer biologische Materialien, 36Prozent planen den teilweisen und gar kompletten Umstieg auf auf Ökotextilien.

Das Grazer T-Shirt-Label Zerum hat das bereits 2008 getan. Das Label entwickelte sich aus einem Studentenprojekt, der Hintergedanke war „einfach, ein T-Shirt mit reinem Gewissen zu produzieren“, so Mitinitiator Sigmund Benzinger. Design und Schnitte stammen von heimischen Künstlern, produziert wird die Biobaumwolle unter fairen und nachhaltigen Bedingungen in Mali.

Ideologie statt Profit. Dass die Ware nicht mit dem Flugzeug, sondern per Schiff transportiert wird, versteht sich aufgrund des CO2-Zertifikats von selbst. Belohnt wird solch Engagement allerdings (noch) nicht. „Da steckt viel Ideologie dahinter, wir arbeiten alle ehrenamtlich“, sagt Benzinger. Nicht nur kleine Labels, sondern auch die großen wie C&A oder Zara entdecken Biobaumwolle und Co.

„Man muss aber aufpassen. Wenn nur drei Prozent der Kollektion bio ist und nachhaltig produziert wurde, ist das ein Green Washing“, so Barbara Irma Denk. Aber: „Es ist schon gut, dass die das machen. Immerhin investieren die Großen viel Geld in die Forschung und bringen die Entwicklung voran“, meint ihre Kollegin Niedermayr.


Raus aus dem Öko-Eck. Und wie klappt es, dass Slow Fashion selbstverständlich wird und sich aus der Nische befreit? Indem man es ihr nicht ansieht, sind sich die Beteiligten einig. „Das geht über das Formale. Das Design muss stimmen“, sagt Niedermayr. Und: „Gut Ding braucht Weile.“ Immerhin ginge es nicht um einen neuen Trend, sondern um ein generelles Umdenken. Nicht mehr alle paar Wochen ein neues T-Shirt um zehn Euro, sondern lieber ein teureres, das dafür länger hält. Qualität abseits saisonaler Trends also.

„Es geht weg von dem halbjährlichen Kollektionsrhythmus. Die Mode soll länger halten und passen“, sagt Designerin Baumgartner. Diese Entwicklung braucht also Zeit. Das macht nichts, denn eilig haben es die Slow-Fashion-Anhänger nicht. Wie könnten sie denn auch?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2010)